Reis Reise

Hinter Reis-Reise versteckt sich ein Globetrotter. Für Verwandte, Freunde und Kollegen ist das kein Pseudonym, eher ein Hinweis auf seine neuerlichen Eskapaden in den Reisanbaugebieten. Der Autor legt keinen Wert darauf, mit seinem Tagebuch auf den Hitlisten der Suchmaschinen zu erscheinen. {;-)

Dienstag, Februar 07, 2006

Ein reis-freier Tag

Die Woche faengt gut an. Die Arbeit, die waehrend der Feiertage liegen geblieben ist, stapelt sich auf meinem Schreibtisch. Das Klimageraet funktioniert nicht. Etwa 30 Grad C. (Bei den Heizkosten in Deutschland - echt gut geheizt. Kleiner Scherz am Rande, wenn ich die Fernsehbilder aus dem frostigen Norden sehe.)

Kollegin Snow – um uns Auslaendern die komplizierten Namen zu ersparen, haben einige Vietnamesen englische Namen parat -, also Snow laedt uns in der Mittagspause zum Essen ein. In ihr Appartment, das sie mit ihrem Mann und zwei kleinen Soehnen bewohnt. Etwa 300 Meter weiter, an der gleichen Hauptstrasse wie das Buerogebaeude, steht ein ziemliche schaebiges Hochhaus aus den 50er Jahren. Beton pur.
Ob ich die Trepen bis zum achten Stock schaffe, fragen mich die Kollegen augenzwinkernd.
Es gibt sogar zwei Fahrstuhlschaechte im Haus. Der ascenceur war frueher nur fuer die franzoesischen Herrschaften da; Madame und Monsieur fuhren nicht mit den Domestiken im elevateur. Das Personal musste den offenen Lastenaufzug benutzten, der am Kuechentrakt der Wohnung vorbei fuehrte. Heute sind beide Fahrstuehle laengst in einen Muellplatz der Geschichte verwandelt. In diesem Hochhaus geht jeder Bewohner und Besucher die Treppen zu Fuss rauf und runter. (Diese Gedanken kommen mir beim Treppensteigen; es ist heiss, die Luft wird knapp.)

Und dann stehe ich in einer kleinen, schmucken Wohnung. Mit Durchblick auf den Balkon.
Der Tisch ist gedeckt fuer zwoelf Personen. Halt, das Bild stimmt nicht! Der Fussboden ist gedeckt. Dort wo bei uns im Esszimmer der Tisch steht, ist hier der Fussboden gedeckt. Die blitzeblanken Steinfliesen des Raumes sind mit Zeitungspapier bedeckt. Auf den grossformatigen Blaettern (FAZ-Format) ist das Geschirr liebevoll arrangiert.

Das obligatorische Reisschaelchen steht dort, wo der Besucher Platz nehmen soll.
Jeder setzt sich, so gut er/sie kann, im Schneidersitz auf den Boden oder auf seine Hacken. Aber niemand streckt dem anderen die Fusssohlen entgegen. Essstaebchen werden gereicht.
Dieses ist ein reis-freies Essen. Als Beilage zu den Fleischgerichten gibt es Baguette-Brot.
Die vielen unterschiedlichen Gerichte schmecken ausgezeichnet. Besonders geniesse ich die Rohkostsalate, vor allem die, die mit Lotossprossen zubereitet sind.
Wassermelone und Ananas bilden den Abschluss.

In dieser Stunden habe ich meinen Fotoapparat nicht dabei. Ganz bewusst. Ich will nicht immer wie ein Schmetterlingssammler mit dem Kescher rumlaufen, auf der Suche nach einem besonderen Exemplar. Hoffentlich kennt noch einer diese Metapher aus der Kolonialzeit. Gemeint ist hier: Ich bin nicht jederzeit bereit - fuer den Sammlerblick mit dem Fotoklick.

Nach dem Essen schauen wir uns die Fotoalben der Gastgeberin an. Die beiden Soehne in jedem Alter und jeder Lage. Komplimente werden ausgetauscht und Vietnamesen lachen gern und herzlich.
Danke, Snow, fuer das vorzuegliche Essen und die Gastfreundschaft!


Am Abend gehen wir wieder zum Abendessen. Diesmal fahren wir in ein kleines Restaurant in der Naehe. Ich habe den Eindruck, dass niemand hier gern alleine Essen geht. Kollegen, Freunde, Verwandte, sie sitzen immer zusammen.
Die clevere Idee bei diesem Lokal: Die Motorraeder werden mit rein genommen. Dort wo sonst noch Platz waere fuer vier Tische und 16 Stuehle, hat der Wirt einen Parkraum geschaffen. Weil in HCMC Parkplaetze ohnehin immer knapper werden, muessen die Mopeds und Roller hier nicht den Buergersteug blockieren, sondern der Eingang zum Lokal bleibt frei und unverstellt.


Nach einer Suppe mit Kloessen
aus geschredderten Shrimps,
Reisnudeln und viel Gruenzeug, fahre ich mit dem team wieder ins Buero. Heute ist zum ersten Mal Nachtschicht verordnet.

3 Comments:

At 22:25, Blogger Manfred Lexa said...

lecker Süppchen
da wär ich auch gern dabei
aber bald gibts ja vielleicht noch mal was rheinisches:
http://www.flickr.com/photos/tix/sets/72057594053763338/show/

 
At 11:17, Blogger reis-reise said...

... na Tix, dann werden wir wohl im April in Koeln mal eine Deiner chinesischen Trockensuppen vergleichen.
CU und schreib mir, was Du wissen moechtest

 
At 13:44, Blogger Ralf Thiel said...

Bei den tix-Bildern habe ich ja richtig Hunger bekommen. Sieht lecker aus, aber Vietnamesisch ist viel verträglicher (sagt mein Körper). Ich gehe wohl gleich mal Suppe essen.

 

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