Reis Reise

Hinter Reis-Reise versteckt sich ein Globetrotter. Für Verwandte, Freunde und Kollegen ist das kein Pseudonym, eher ein Hinweis auf seine neuerlichen Eskapaden in den Reisanbaugebieten. Der Autor legt keinen Wert darauf, mit seinem Tagebuch auf den Hitlisten der Suchmaschinen zu erscheinen. {;-)

Samstag, Februar 04, 2006

Feste feiern





Samstag beginnt mit einer jungen, frischen Kokosnuss. Ueber den Strassen von "Little Saigon".
:)

Das gemeinsame Freitag mit den vietnameschen Freunden dagegen faengt ganz harmlos an. Nach den Ferien hat jeder etwas zu erzaehlen. Hoeflichkeiten werden ausgetauscht. Das neue "Jahr des Hundes" soll noch besser werden. Mit Nuessen, Keksen und Obst werden die guten Vorsaetze besprochen. Ein paar Flaschen Apfelsaft, Wein und Schaumwein werden geoeffnet.

Es wird viel gelacht. Gute Laune. Und ploetzlich faellt das Wort Karaoke.
Ob ich Karaoke kenne? Klar. Ich gebe mich weltmaennisch. Gebe aber auch zu, dass ich noch nie auf einer solchen Party war.
Auf geht’s. Mitten im Geschaeftsviertel der Stadt, zwischen Buerokomplexen und Kaufhaeusern finden wir den Eingang zu einem Nachtclub – am Vormittag um 11 Uhr. Wir sind nicht die ersten. Ein junger Mann vom Empfang, bekleidet mit einer Art Uniform und schraeg abgeschnittener Designer-Krawatte, fuehrt uns in einen der schalldichten Raeume im dritten Stock.
An der Wand ein riesiges Sofa, davor zwei Couchtische und der alles beherrschende grosse Monitor. Auf den beiden Tischen zwei Mikrofone, dicke Aktenordner mit hunderten von Musikstuecken und die Fernbedienung zur Auswahl der Stuecke.

Zwei Stunden lang singen wir englische und vietnamesische Lieder, mit Herz und Schmerz oder ganz patriotisch. Lautstark, aus voller Ueberzeugung, als waeren wir im Fussballstadion.
Mit einem Rock’nRoll von Chuck Berry benden wir die Karaoke-Party.

Muss ich mir jetzt Gedanken machen, warum Vietnamesen schon am Vormittag mit Freunden und Geschaeftspartnern froehliche Lieder singen? (Geschaeftsreisende aus einem Wolfsburger Autowerk wurden hier noch nicht gesehen.)
Ich erlebe die Menschen hier (so mein erster Eindruck ) als liebenswuerdige, freundliche Zeitgenossen. An den Tet-Feiertagen schlaegt man auch schon mal ueber die Strenge. Vieles wird toleriert was sonst durch strenge Regeln in der Gruppe unterbleibt. Das erfahre ich in den offen Gespraechen beim anschliessenden Mittagessen.

Und wieder habe ich Appetit auf ein gutes Fischgericht mit viel Reis.

Reis - Nachtrag: Fuer das Jahr 2006 wurden bereits neue Exportvertraege mit den Philipinen, dem Nahen Osten und Afrika unterzeichnet. Vietnam will in diesem Jahr 4,2 Mio. Tonnen Reis exportieren. (Quelle: Vietnam Economic Times)

Unuebersehbar - froehlich und eindeutige in der Aussage.
Das ist kein Plakat fuer Touristen.
Ich sollte mir den vietnamesichen Text mal uebersetzen lassen.