Maladie
Nun die schlechte Nachricht: Der Arzt im Franco-Vietnamese (FH) Hospital hat bei mir eine Infection respirateuse superieur diagnostiziert.
Die frueher im blog beschrieben Erkaeltung hatte ich mit Hausmitteln und Eukalzptus behandelt. Die vom Betriebsarzt angebotenen Antibiotika hatte ich ausgeschlagen. Doch nicht wegen einer so laeppischen Erkaeltung! Linderung war zu spueren; ich dachte, ich sei ueber den Berg. Der Husten allerdings blieb hartnaeckig, Halsschmerzen kamen hinzu, aber kein Fieber. Am Montag konnte ich kaum sprechen.

Die besorgten Kollegen wollten nun doch, dass ich endlich einen richtigen Arzt aufsuche. Ein Termin wird vereinbart, per Taxi geht’s ins FV-Hospital.
Dr. Med. Khao, Absolvent einer Pariser Akademie, untersucht mich gruendlich. Um seine und meine Besorgnis schlimmerer Ursachen auszuschliessen, stimmte ich einer Radiographie Thorax zu. Nach 20 Minuten ist klar, dass die Lunge keine Besonderheiten aufweist. Eine Beruhigung fuer mch, bei all den Horrorgeschichten, die man im Kopf nach Vietnam mitschleppt.
Mais, pourquoi?
Er gibt mir drei Gruende fuer die Infektion der Atemwege:
Der Klimawechsel, die Erkaeltung und die Luftverschmutzung.
Ueber meinen Leichtsinn im Umgang mit der Klimaanlage im Buero hatte ich mich schon genug geaergert. Nun muss ich auch noch zugeben, dass ich die Luftverschmutzung in der rush-hour auf die leichte Schulter genommen habe. So bin ich, wie meine maennlichen Kollegen, ohne Mundschutz durch die Stadt gefahren. Die Bildunterschrift in dem blog am 12.3. 2006 beschreibt erst jetzt in der Rueckschau eine persoenliche Erfahrung.
Fuer sieben Tage mit Medikamenten versorgt entlaesst mich Dr. Khoa und will mich in der naechsten Woche wiedersehen.
Die Medikamente zeigen Wirkung. Ich fuehle mich elend, schlapp und verlasse das Hotel nur zu den Mahlzeiten - dann aber mit Mundschutz.
Als Experte in tropischen Regionen habe ich schon so einige Erfahrungen gesammelt. Durchfallerkankungen sind die unangenehmsten. Nun habe ich eine neue Variante vermeidbarer Infekte in der Erfahrungskiste. Luftverschmutzung macht krank, sagt Dr. Khao. Ein Glueck wenigstens, dass ich Nichtraucher bin.
Fuer die Freunde und Kollegen im industrialisierten Norden: Der industrielle Fortschritt hat seinen Preis. Smogwarnungen, hohe Ozonwerte, Rauchverbote, saubere Umwelt sind keine Spinnereien der: Oekologen, die es den Unternehmern nur schwer machen wollen, ihre Profite zu maximieren.
Umweltzerstoerung toetet auch Menschen.
Das hier zu erfahren macht mich traurig.
Mit meinen Privilegien als Auslaender finde ich schnell Hilfe bei . Was aber geschieht mit den Menschen, die sich keine Sonderbehandlung à la Francaise leisten koennen?
Untersuchung, Roentgenbild und Medikamente haben mich so viel gekostet, wie ein Arbeiter oder Angestellter durchschnittlich hier in einem Monat verdient: 50 US$.
Maladie, zweiter Teil (Sieben Tage spaeter)
Die Enttaeschung ist groß. Der Einsatz der pharmakologischen Keule hat nichts bewirkt. Der Husten quaelt mich noch immer, schlimmer denn zuvor.
War die Diognose falsch? Waren die teuren Medikamente vielleicht ”fakes“?
Meine Begeisterung fuer Dr. Khoa hat erheblich nachgelassen. Deshalb bin ich auch mit einem Kollegen zur Nachuntersuchung gefahren, damit meine Fragen nicht im Sprachenmix falsch verstanden werden.
Mein junger Kollege spricht gut englisch, vietnamesich ist sein Muttersprache.
Schon in den ersten fuenf Minuten im Sprechzimmer schaut mich Tim (der Kollege) an und meint, dass der Arzt nicht sehr gespraechig sei.
Dr. Khoa untersucht mich: Blutdruck messen, Herz und Lunge abhorchen, nach Fieber fragen.
Warum die Medikamente nicht angeschlagen haben, will ich wissen. Keine Auskunft. Der Doktor verkriecht sich hinter seinem PC-Monitor.
Er schreibt bereits ein neues Rezept, diesmal fuenf neue Medikamente. Warum? Nun, weil die anderen offenbar nicht gewirkt haben, ist die spontane Antwort.
Ich versuche ihm zu erklaeren, dass ich frische Luft brauche, dann wird alles wieder gut. Er erklaert mir, dass es im Krankenhaus nur bei Operationen Sauerstoff gaebe. Falscher Fuss?
Wo es denn in der Naehe von HCMC richtige frische Luft gibt? Ich suche das Gespraech. Dafuer sei er als Arzt nicht zustaendig. Was ist besser: Seeluft oder Bergluft? Seeluft! Ob er mir eine solche Luftkur empfehlen koenne. Nein, das sei nicht seine Aufgabe. Was also wolle er mir empfehlen?
Der Doc schreibt Ueberweisungen aus, man muesse doch ersteinmal die Ursache finden, warum die Bakterien oder Viren so resistent seien.
1. Labortermin fuer den Hustenauswurf. Okay.
2. Blutsenkung. Nein - ich widerspreche, zumal vor drei Wochen in der Firma im Rahmen der Reihenuntersuchung auch bei mir Blut abgenommen wurde. Ich verspreche Dr. Khoa, ihm die Werte vom Betriebsarzt zu uebermitteln. Ich habe schon damals gehustet.
3. Roentgen. Ich verliere ein wenig die Fassung. Zweimal innerhalb von sieben Tagen die Lunge roentgen, das sei doch medizinisch nicht verantwortbar, zumindest in Deutschland, sage ich ihm. Zumal der erste Roentgenbefund keine krankhaften Auffaeligkeiten zeigte. Ich bin geschockt.
Der Doktor gibt mir zu verstehen, dass er alle Moeglichkeiten der Klinik ausschoepfen muesse, um die Ursache zu finden. Die Moeglichkeiten der Klinik? Das sind offenbar die ausnutzung der teuren Apparate.
Ich stelle fest, das der junge Mediziner seine Anweisungen hat. Er kann sich nicht mit dem Patienten und seiner Krankheit befassen, er kann nur die Ergebnisse aus den Apparaten in Medikamente uebersetzen - auch dabei hilft ihm ein Computerprogramm.
Im Mucus-Testlabor erfahre ich, dass das Ergebnis erst in drei Tagen vorliegen wird. Das Rezept mit den fuenf neuen Medikamente habe ich aber schon. Ich frage, ob ich das Ergebnis erst abwarten solle? Die freundliche Arzthelferin verbindet meinen Dolmetscher mit Dr. Khoa. Ich merke, dass der ziemlich genervt reagiert: Dann soll ich eben noch drei Tage mit dem Kauf der Medikamente warten.
Goetter in Weiß, hier Made in France. 
Ich bin kein pflegeleichter Patient, zumal ich jederzeit nach Deutschland ausreisen koennte, wenn ich mich wirklich elend fuehlte oder ein Notfall waere.
Mein Kollege erklaert mir auf dem Heimweg, dass ein Arzt in Vietnam natuerlich eine ganz besondere soziale Stellung geniesst. Es gibt nicht genuegend Aerzte, um die Bevoelkerung medizinisch angemessen zu versorgen. Und wer es als Arzt in ein modernes, privatwirtschaftlich gefuehrtes Krankenhaus geschafft hat, der ist ein VIP.
Dr. Khoa hat es geschafft.
Auf den Befund aus dem Labor bin ich gespannt.
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