Brillen-Tourismus?
Plötzlich war die Brille weg.
Eine neue muss schnellstens her, ohne geht nichts mehr am Computerarbeitsplatz. Meine Arbeitskollegen wissen Rat. Wir fahren zum Optiker, den Brillenpass habe ich ja irgendwo dabei.
Nach zwei Tagen habe ich eine neue Brille: Mit Gleitsichtgläsern links und rechts, gleiche Stärke wie von der Kölner Augenärztin verschrieben, das Gestell von Seiko mit Schlangenlederetui, Preis 1.545.000 VND.( = 154 DM = 75 Euro)
Meine Verblűffung war mir anzumerken; und wenn man sich in Vietnam ueber etwas Neues freut, dann muss man diese Freude auch teilen. Dezent wurde ich auf diese Tradition hingewiesen. Das gemeinsame Abendessen nach Dienstschluss hat mich dann nocheinmal 500.000 VND gekostet. Die Reistafel war gut, wir haben viel űber Brillen geredet und gelacht.
Meinem Freund und Besucher aus Köln erzähle ich diese Geschichte. Er will es nicht glauben. Er hat fuer seine Brille, vor zwei Jahren in Deutschland, knapp 1000 Euro gezahlt. Er meint, er könne eine neue gebrauchen, zumal die Dioptrien im Lesebereich etwas staerker sein koennten.Wir also hin zu “meinem” Optiker.
Fűr die Untersuchung der Augen mit modernsten Geräten, das Vermessen der Gläser und neuerlichem Anpassen bezahlt er 10.000 VND (eine Mark, umgerechnet}.
Bifocal oder Gleitsicht? - Gleitsicht! - Automatische Verdunklung in der Sonne? - Ja, in braun! - Das Gestell sollte fuer diese Stärke der Gläser schon etwas stabiler sein. - Okay!
Der Optikermeister schaut ihm in die Augen, nimmt Mass.
In zwei Tagen sollen wir wiederkommen, dann sei die Brille fertig.
Preis: 150 Euro mit den Extrawűnschen.
Mein Freund ist ebenso verblűfft wie ich am Anfang. Nicht nur, dass er 850 Euro sparen kann, sondern dass die Anfertigung nur zwei Tage dauert.
Der Schluss ist einfach erzählt. Die Brille ist zum versprochnen Zeitpunkt fertig; sie passt und er kann damit besser lesen. Er zahlt, und trägt das vietnameschische Modell jetzt täglich.
Auf die Frage, wie “die” das machen, kann ich ihm keine Antwort geben. Ich sage ihm aber was ich aus gut informierter Quelle gehört habe.

Die so vermeintlich preiswerten Optiker in Deutschland (mit den Kettennamen von A bis F ) lassen in Asien (Indien) die Brillen anfertigen. Das wűrde auch erklären, warum sie nicht nur billiger sind, sondern auch, warum es soooo lange dauert, bis die Brille endlich abgeholt werden kann.
Noch steht dieser Einkaufstipp fűr deutsche Touristen in keinem vietnamesischen Reisefűhrer. Der Aufschrei der dt. Optikerinnung wäre unűberhörbar. (!)
Apropos Reisefűhrer:Seit einem Monat liegt das neueste SympathyMagazin “Vietnam.Kambodscha.Laos” vor. Zu bestellen beim Studienkreis fűr Tourismus und Entwicklung (3,60 € alles incl.)
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