Organisiertes Verkehrschaos
Nun die gute Nachricht: Meine Honda habe ich verkauft.
Das Geschäft war für beide Seiten ein reelles. Ich habe der Verkäuferin/Käuferin versprochen, dass ich sie weiterempfehlen werde. Wir haben uns mit Handschlag verabschiedet.
Mein junger, dynamischer Nachfolger im Büro aus den USA hatte sich für mein Elektro-Fahrrad interessiert, ist aber abgesprungen. Er hat sich ein schnelleres Motorrad gekauft. Meine Kollegen verstehen das. “Schließlich kann er mit einem Fahrrad mit Hilfsmotor bei den Damen wenig Eindruck machen”, höre ich.
Das Privileg der Jugend.
Der berühmt-berüchtigte Straßenverkehr in der Stadt übt einen spielerischen Reiz aus. Jeder Tourist ist fasziniert. Endlich kann man mal so fahren, wie es im überregulierten Westen undenkbar wäre. Das vermeintliche Chaos auf den hiesigen Straßen erinnert bestimmt viele Besucher an das kindliche Vergnügen der
Autoscooter auf dem Rummelplatz.
Cool bleiben, blitzschnelle Reaktion zeigen, Nerven wie Stahlseile, nur nicht zweifeln, wer zuerst zögert, der hat verloren. Und bei all diesen Eigenschaften zeigt der vietnamesiche Verkehrsteilnehmer keine Aggressionen.
Die Straße ist kein Kampfplatz; der andere wird respektiert. Es klingt wie ein Widerspruch, aber das oberste Gebot ist Rücksichtnahme.
Dennoch passieren Unfälle.
Touristen sind leichtsinnig. Im Urlaub gelten andere Spielregeln. Man macht Dinge, die man “zuhause” nie machen würde. Die Tourismusindustrie lebt von dieser Verführung. Das Geld sitzt locker, der Verstand wurde bei der Einreise an der Grenze abgegeben. Endlich - Freizeit und Abenteuer!
Die Verführer stehen bereit: Massage_Nice Girl_Dope_Good Food_Cheap CDs_Games_DVD. An jeder Ecke eine neue Entscheidung.
Rent a Motorbike.
Ein Angebot, so dubios wie all die anderen.
Das Geschäft blüht: Pass hinterlegen. 10 USDollar pro Tag. Los geht’s! Die Frage nach dem Führerschein ist müßig, da ohnehin niemand die ( vorgeschriebene ) vietnamesische Lizenz hat.
Ich habe junge - blonde - Frauen gesehen, die schlingern los, weil sie noch nie vorher einen Motorroller selber gelenkt haben.
Die - blonden - Männer sind da etwas forscher, wenn sie sich auf die Sitzbank schwingen.
Nicht selten, eher häufiger, endet das Abenteuer auf Krücken. Wer, so wie ich, seit drei Monaten das touristische Treiben im Viertel beobachtet, fragt auch schon mal nach.
Die Antwort ist immer die gleiche: Unfall mit dem geliehenen MotorBike.
Mein Mitgefühl ist echt und meine “Gute-Besserung-Wünsche” ehrlich gemeint.
Moderne, nach westlichem Standard organisierte, Kliniken behandeln diese Patienten gerne.
Bargeld lacht, erst die Kreditkarte, dann der OP. Das ist richtig teuer.
Und wer das Kleingedruckte auf der Reiseversicherungspolice bislang nicht gelesen hat, der erfährt einen weiteren Schock.

Ich bin nicht der erste, sicherlich auch nicht der einzige, der darüber schreibt. Eher zufällig finde ich Blogger 'virtualdoung', der seine eigene Geschichte (in englisch) beschreibt.

Sollte ich wieder nach HCMC kommen, habe ich meiner Honda-Verkäuferin versprochen, werde ich mich wieder elektrisch langsam in das organisierte Verkehrschaos einfädeln.
Das Privileg des Alters.
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