Vogelvieh
Wer noch keinen Internetanschluss hat, der bekommt eine Ansichtskarte aus Vietnam. Meiner Mutter (91) habe ich eine Reislandschaft mit Blumen im Vordergrund ausgesucht. Die Karte braucht etwa neun Tage mit der Post. Eine Freundin in den USA bekommt das Bild von zwei anmutigen students in schooluniform, die mit ihren Fahrraedern durch die Stadt radeln. (Eine Anspielung auf das friedliche Vietnam von heute).

Die Postkarten haben einen kuenstlerischen Anspruch.
Da sind die vielen Motive mit den Frauen, die sich unter ihren kegelfoermigen Reisstrohhueten vor der Sonne schuetzen: Bei der Arbeit auf dem Feld, auf dem Markt – so wie es die Klischeevorstellung will.
Aber halt, da fehlt doch ein Motiv!
Zeigen sich die Folgen der Avian Influenza bereist in der Postkartenindustrie?
Die Postkarten mit den pitoresken Bildern von Huehnern im Kaefig, Enten auf dem Weg zum Markt, Gaense an der Leine sind offenbar verschwunden.
Ich suche und finde noch ein Bild. Sicherlich mit Seltenheitswert.
Die Idylle weckt Aengste bei den Toursiten. Das sonst allgegenwaertige Gefuegel ist auch aus den Postkartenstaendern verbannt.

Bei den wenigen Vogelkaefigen, die noch am Fenster haengen, muss man schon genau hinschauen, ob der Vogel wirklich noch auf der Stange sitzt, oder der Kaefig schon leer ist, wie derselbe unterm Treppenabsatz in meinem Hotel.
Das Teleobjektiv bring es an den Tag. Da springen wirklich noch zwei kleine Voegel herum.
Aber welcher Schwan kommt hier schon vorbei?
Da faellt mir die Geschichte von Leda mit dem Schwan ein.
Im Zeitalter der Vogelgrippe in Europa koennte das Motiv eine neue, voellig abstruse Deutung provozieren.
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