Reis Reise

Hinter Reis-Reise versteckt sich ein Globetrotter. Für Verwandte, Freunde und Kollegen ist das kein Pseudonym, eher ein Hinweis auf seine neuerlichen Eskapaden in den Reisanbaugebieten. Der Autor legt keinen Wert darauf, mit seinem Tagebuch auf den Hitlisten der Suchmaschinen zu erscheinen. {;-)

Dienstag, Februar 28, 2006

Schnupfen, Husten, Heiterkeit

Der Hitzekoller hatte Folgen.
Seit gestern bin ich erkaeltet. Das Runterkuehlen auf Koerpertemperatur war genau das Falsche. Ich habe mich benommen wie ein Anfaenger in den Tropen. Black-out. Die Grauen Zellen waren wohl nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt.

Nun plagen mich Husten , Schnupfen, Heiserkeit.
Die Ursache ist eindeutig: Die Klimaanlage im Buero. Der Wechsel zwischen Tiefkuehlkammer Buero und Treibhaus Strasse ist mir am Freitag wohl nicht bekommen.
Nachts schlafe ich naemlich immer ohne AirCon.

Bitte, liebe Freunde, keine Panik. Das ist nicht die Huehnergrippe.

Der Fortschritt ist unuebersehbar; er klebt an jeder Hauswand.
Und wenn die Sonne so richtig bruellt, dann ziehen die Dinger so viel Strom, dass das Netz schon mal zusammenbricht. Power-cuts gehoeren hier zum Alltag der Menschen in "meinem Kietz".

Samstag, Februar 25, 2006

Temperaturen steigen auf 40 Grad C

Seit einigen Tagen macht mir das Klima zu schaffen. Es ist heiss hier in HCM City.
Im Buero merke ich das nicht, dort kuehlt mich die Klimaanlage auf Koerpertemperatur runter.

In meiner Morgenzeitung steht, dass die Tages-Temperatur gegenwaertig bei 36,5 Grad C liegt. Das Thermometer wird noch steigen bis Ende April. Die Meldung besagt auch, dass diese Hitze zunehmend unertraeglich wird in der City, weil der starke Verkehr, die Klimaanlagen und die enge Bebauung das Klima zusaetzlich aufheizen.
Auch hier wird im Schatten gemessen, nur wenn ich in die Sonne rausgehe, zu Fuss unterwegs bin, dann brennt die Haut.

Wie stelle ich Hitze bildlich dar? Schwitzende Menschen? Hier schwitzen nur die Touristen; sie zeigen ihre Schwitzflecken ungeniert auf dem Hemd. Das hilft auch keine kurze Hose. Das ekelt die Vietnamesen an; sie bewegen sich anders, langsam, und haben immer ein Frotteetuch dabei.
Hitze ist also nicht gleich Schwitzen.



Auf der Suche nach einem Motiv komme ich an der Loewenbraeu Beerhall vorbei.
Nein, das kann es nicht sein. Bier gegen die Hitze, vielleicht gegen den Durst. Aber auch hier finde ich nur Touristen. Die Message auf dem Werbeposter in vietnamesisch wird wahrscheinlich erst nach Anbruch der Dunkelheit zur angenommen.

Schnell zurueck ins Hotel.

Ein Freund aus Koeln fragt mich voller Mitgefuehl, was ich denn im Hotel mache.
Fernsehen?
Nein, lieber Peter. Die Kuehle des Abends draussen geniessen. So aufregend kann Fernsehen auch in Vietnam nicht sein, wie das richtige Leben auf den Strassen und Plaetzen. Dazu die Gerueche, die leichte Brise und der Tontechniker hat den Begrenzer ausgeschaltet. Es ist richtig l a u t .
An jedem Abend ein anderer Film, keine Wiederholungen!
(Die Bilder werden nachgereicht)

Donnerstag, Februar 23, 2006

Schlagzeilen

In der englischsprachigen Tageszeitung Vietnam News bringt es Deutschland heute zu zwei Schlagzeilen:
Deutschland und die Vogelgrippe
Germany pledges 4 million euros to help fight bird flu
und
Delegation aus Deutschland in Wirtschaftsverhandlungen
German Delegation in trade meeting (Einen Link zur Website finde ich nicht)


Indirekt, nur fuer den Chronisten auffaellig, gibt es zwischen den beiden doch sehr unterschiedlichen Themen einen Bezugspunkt. Die Teilnehmer der Wirtschaftsdelegation kommen aus Meck-Pomm und - die toten Schwaene auf Ruegen auch.
Hier im Land sieht man die Geschichte mit der Vogelgrippe inzwischen ziemlich cool.
Die Deutschen in der Delegation werden von dem deutschen Medien-Hype auf ihrer Reise durch Vietnam eingeholt. Ploetzlich muessen sie Fragen zur Avian Flu in Deutschland beantworten.

„Vogelgrippe im Gepaeck - Delegation aus Infektionsstaat in VN“

So, oder so aehnlich, wuerde eine deutsche Boulevardzeitung mit VIER Grossbuchstaben titeln, wenn es eine solche hier in Vietnam gaebe. Aber schon die Assoziation ist gegenueber den Vietnamesen unfair. Vieles, woran wir uns in Deutschland gewoeht haben, sehe ich hier - von aussen - mit anderen Augen. Eine „Skandalisierung“ banaler Ereignisse, um die Auflage zu steigern und den Profit zu erhoehen, findet hier (noch) nicht statt.

Der Zeitungsmarkt in der City ist gut bestueckt. Meine vietnamesischen Sprachkenntnisse sind allerdings nicht ausreichend, um mir ein Urteil ueber die Qualitaet zu erlauben. Aber ich habe den Eindruck, dass die Leute gut informiert werden.

So erfahren die Fussball Fans hier als Aufmacher von einem Vorstoss der Gruenen Politikerin, Baerbel Hoehn, in Berlin.

Wird die WM 2006 wegen der Vogelgrippe abgesagt?

World Cup 2006 khó có thể hủy bỏ, nhưng chắc chắn thói quen mang gà đi ủng hộ đội nhà của các CĐV Pháp sẽ bị ngăn cấm!


Der Link auf die Seite TUOI TRE (23.02.2006)http://www.tuoitre.com.vn/thethao/Index.aspx?ArticleID=124239&ChannelID=14

Mittwoch, Februar 22, 2006

Obsttag

Passionsfruechte sind eine Delikatesse. Wenn ich in Deutschland meiner Leidenschaft froenen moechte, muss ich kraeftig zahlen. Fuer das Stueck zahle ich einen Euro in der Lebensmittelabteilung des Kaufhauses. Das teuerste daran ist wahrscheinlich die Plastikhuelle, in die die Frucht eingeschweisst ist.
Hier im COOP-Kaufhaus zahle ich mal gerade 0,05 Euro umgerechnet - pro Stueck - ohne Plastik. Fuer 1 Euro bekomme ich mehr als ein Kilo. Jeden Tag ein neuer Genuss!


Mein Obsttisch im Hotel
Passionsfruechte, Mango, Ladyfinger-Bananen, Limonen

Unter dem Tisch Papaya und Litschis. Reifes Obst, von der Sonne verwoehnt. Obst, das wir meist nur als Konserve angeboten bekommen. Wer bei diesem Angebot nicht schwach wird, dem ist nicht zu helfen. Wozu noch Fleisch?


Litschi
Stachelige Schale aufschneiden. Frucht auslutschen.
Keine Ansteckungsgefahr.
;-)

(Das Geschirr mit dem Haehnchen Motiv war im Sonderangebot zu haben, warum wohl?)




Papaya
Innen gelb-rot-gold.
Mit Limonensaft der beste Nachtisch.






Orangen auf dem Markt.
Ich muss mal die verschiedenen Sorten zaehlen und probieren.

Dienstag, Februar 21, 2006

Vogelvieh

Wer noch keinen Internetanschluss hat, der bekommt eine Ansichtskarte aus Vietnam. Meiner Mutter (91) habe ich eine Reislandschaft mit Blumen im Vordergrund ausgesucht. Die Karte braucht etwa neun Tage mit der Post. Eine Freundin in den USA bekommt das Bild von zwei anmutigen students in schooluniform, die mit ihren Fahrraedern durch die Stadt radeln. (Eine Anspielung auf das friedliche Vietnam von heute).
Die Postkarten haben einen kuenstlerischen Anspruch.
Da sind die vielen Motive mit den Frauen, die sich unter ihren kegelfoermigen Reisstrohhueten vor der Sonne schuetzen: Bei der Arbeit auf dem Feld, auf dem Markt – so wie es die Klischeevorstellung will.

Aber halt, da fehlt doch ein Motiv!
Zeigen sich die Folgen der Avian Influenza bereist in der Postkartenindustrie?

Die Postkarten mit den pitoresken Bildern von Huehnern im Kaefig, Enten auf dem Weg zum Markt, Gaense an der Leine sind offenbar verschwunden.
Ich suche und finde noch ein Bild. Sicherlich mit Seltenheitswert.
Die Idylle weckt Aengste bei den Toursiten. Das sonst allgegenwaertige Gefuegel ist auch aus den Postkartenstaendern verbannt.



Bei den wenigen Vogelkaefigen, die noch am Fenster haengen, muss man schon genau hinschauen, ob der Vogel wirklich noch auf der Stange sitzt, oder der Kaefig schon leer ist, wie derselbe unterm Treppenabsatz in meinem Hotel.
Das Teleobjektiv bring es an den Tag. Da springen wirklich noch zwei kleine Voegel herum.
Aber welcher Schwan kommt hier schon vorbei?
Da faellt mir die Geschichte von Leda mit dem Schwan ein.
Im Zeitalter der Vogelgrippe in Europa koennte das Motiv eine neue, voellig abstruse Deutung provozieren.

Montag, Februar 20, 2006

Besuch in der Oper



Das "Ho Chi Minh City Ballet und Symphonie Orchester" wird heute (19. 2. 2006) mit einer excellenten Ersten Violine verstaerkt. Das Consulat General De France a HCM Ville hat Maryvonne Le Dizes eingeflogen. Corelli, Beethoven, Hayden und Mendelssohn stehen auf dem Programm. # Fuer 80.000 Dong = 4 Euro bin ich dabei. #


Vietnams Hochkultur praesentiert sich im jetzigen Stadttheater. Die Franzosen haben am Ende des 19. Jahrhunderts ihr Opernhaus in Saigon fuer die Ewigkeit gebaut.

Nach einer gruendlichen Renovierung vor drei Jahren erstrahlt das Gebaeude im alten Glanz wie vor 100 Jahren.

Nein, es ist strahlender. Die Aussenbeleuchtung ist neu. Flutlichtstrahler gab es damals ja noch nicht.

Die vietnamesische Regierung hat sich zur Geschichte bekannt; Bilderstuermer waren nicht am Werk; die franzoesiche Regierung freut sich und hilft mit Geld und Ersten Geigen.

Sonntag, Februar 19, 2006

Auf dem Weg zur Oper

Heute gehe ich in die Oper!

Auf den Weg zur Kasse --- Frau mit Schirm

Das Bild bringt meine Sonntagsstimmung auf den Punkt:
Schoene Menschen im Gegenlicht und - sie hat Stil.

Nun ja, mehr ueber das Ereignis und die Oper, wenn ich dann zurueck bin.


Freitag, Februar 17, 2006

Filterkaffee und Zeitung



Wie jeden Morgen lese ich zwei englisch-sprachige Tageszeitungen. Inzwischen tropft der Kaffee ins Glas. Frisch gefiltert, Arabica vom Hochland.

Heute faellt es wieder besonders auf: Vietnam ist im Rausch!
Alles dreht sich ums Geld. Die Wirtschaft boomt, Wachstum im zweistelligen Bereich, Investionen und Business. Selbstverstaendlich kommen immer mehr Touristen ins Land, sagt das zustaendige Ministerum.
Praesidenten, Premierminister, Koenige begleiten ihre Wirtschaftsdelegationen auf der Suche nach Handelsverbindungen. Gerade ist Russlands PM auf Visite, um die alte Freundschaft neu zu beleben. Zwar ohne Bruderkuss, aber mit Vertraegen ueber Joint-Ventures. Das gemeinsame Unternehmen hat auch schon einen Namen: VietSovPetro.
http://www.saigontimes.com.vn/daily/detail.asp?muc=1&Sobao=2629&SoTT=1
(Saigon Times, 17.2.2006)

Dass dieses wirtschaftswunderliche Feuerwerk auch Schatten wirft, lese ich in der anderen Zeitung Viet Nam News.
„Woman workers face lonely lives“.
http://vietnamnews.vnanet.vn/showarticle.php?num=02POP160206

Hier noch einmal der Umrechnungskurs, damit der Leser in Deutschland sich die Summen vorstellen kann, die da genannt werden: 1 Mio. VNDong sind etwa 50 Euro.

Dieser Artikel hat mich doch recht traurig gestimmt.

Donnerstag, Februar 16, 2006

Was treiben die Schwaene ...

... auf dem Weg nach Ruegen (deutsche Ostsee) ?

Nun steht es auch hier in der Zeitung: Germany confirms bird flu in swans. (VietNam News, 16/02/2006)
Es war wohl nur eine Frage der Zeit, wann ...

Ich weiss nicht, was die Schwaene ueberall treiben; fuer mich ist das "Treiben" ohnehin auf die Metrople beschraenkt.Hier ist man sich der Gefahr bewusst. Dennoch gibt es immer wieder offizielle Meldungen, dass nicht streng genug durchgegriffen wird. Im schoenen, pitoresken Kurort Da Lat habe ich sogar mit eigenen Augen einen Marktstand gesehen, an dem Gefluegel verkauft wird.
Mein Kollege meint, dass sei normal. Es gibt einige Landsleute, die wollen partout nicht auf Huehnchen verzichten. Neulich hat sich sogar ein Minister hingesetzt und vor der Kamera ein Huehnchen gegessen - natuerlich ein einwandfreies, aus dem staatlich kontrollierten Schlachthaus.
Der Markt fuer Gefluegelfleisch ist hier voellig weggebrochen. Mit grosser Anstrengung werden neue, kontrollierte Schlachthaeuser aus dem Boden gestampft. Und die Tiere werden gegen das Virus geimpft. Ich habe einen Gast im Restaurant getroffen, der isst weiterhin Huehnchen (nur zuhause, denn im Restaurant gibt's die nicht mehr). Er gab aber zu, dass die geimpften Haehnchen einen komischen Beigeschmack haetten. Nur gut, dass ich mich hier als Vegetarier ge-outet habe.

Hier ein Link zur UN Website in Vietnam "What is Avian Influenza H5N1?"
http://www.un.org.vn/who/avian/index.htm

Und dann sehe ich gerade, dass bei WDR.DE eine Chronologie nachzulesen ist.
http://www.wdr.de/themen/gesundheit/krankheit/vogelgrippe/

Die Regierung hier meldet, dass in den letzten drei Monaten kein neuer Vogelgrippe-Fall gemeldet wurde. Okay - Strategien zur Beruhigung.
Nun fuer die daheim auch eine beruhigende Nachricht: Mir geht es gut und Tamiflu liegt im Nachtschrank griffbereit. (Danke nochmal an Ulfert!)

Sonntag, Februar 12, 2006

Besuch in den Blauen Bergen


Blumen zum Essen














Chrysanthemen mit Ueberzieher
(so wie bei uns die Weihnachtsbaeume zum Transport verpackt werden)


Die Farbe Rot













Nicht zu fassen, aber in 1500 bis 2000 Metern Hoehe sieht es hier fast so aus wie in den Alpen. Strahlend blauer Himmel.
Nur dass in Da Lat noch Orchideen bluehen.

Im Zentrum der Stadt, auf dem Marktplatz pulsiert das Leben.





Meine Kollegen wollten mich unbedingt vor dem Denkmal zu Ehren der Helden der Revolution aufnehmen. Kein Problem fuer mich. Die geballte Faust soll zeigen, dass ich vor Energie strotze.
Warum? Gestern gab es drei Gaenge mit Ziegenfleisch. LEKKER!

Donnerstag, Februar 09, 2006

... ein Lichtermeer

Besuch vor der Oper.
Ein Schmuckstueck aus der Franzosenzeit.
Aufwendig restauriert vor einigen Jahren.
Heute das groesste Theater und Mittelpunkt der offiziellen Kulturszene in HCMCity.


Schiffsanleger am Saigon-Fluss - mitten in der Stadt.
Das Haus des Drachens ist heute das Ho Chi Minh Museum.

Restaurant und Pooltable - Nachtclub EDEN
Von meinem Hotel zwei Minuten zu Fuss. Gleich um die Ecke.
(Wenn ich wollte.)

Dienstag, Februar 07, 2006

Ein reis-freier Tag

Die Woche faengt gut an. Die Arbeit, die waehrend der Feiertage liegen geblieben ist, stapelt sich auf meinem Schreibtisch. Das Klimageraet funktioniert nicht. Etwa 30 Grad C. (Bei den Heizkosten in Deutschland - echt gut geheizt. Kleiner Scherz am Rande, wenn ich die Fernsehbilder aus dem frostigen Norden sehe.)

Kollegin Snow – um uns Auslaendern die komplizierten Namen zu ersparen, haben einige Vietnamesen englische Namen parat -, also Snow laedt uns in der Mittagspause zum Essen ein. In ihr Appartment, das sie mit ihrem Mann und zwei kleinen Soehnen bewohnt. Etwa 300 Meter weiter, an der gleichen Hauptstrasse wie das Buerogebaeude, steht ein ziemliche schaebiges Hochhaus aus den 50er Jahren. Beton pur.
Ob ich die Trepen bis zum achten Stock schaffe, fragen mich die Kollegen augenzwinkernd.
Es gibt sogar zwei Fahrstuhlschaechte im Haus. Der ascenceur war frueher nur fuer die franzoesischen Herrschaften da; Madame und Monsieur fuhren nicht mit den Domestiken im elevateur. Das Personal musste den offenen Lastenaufzug benutzten, der am Kuechentrakt der Wohnung vorbei fuehrte. Heute sind beide Fahrstuehle laengst in einen Muellplatz der Geschichte verwandelt. In diesem Hochhaus geht jeder Bewohner und Besucher die Treppen zu Fuss rauf und runter. (Diese Gedanken kommen mir beim Treppensteigen; es ist heiss, die Luft wird knapp.)

Und dann stehe ich in einer kleinen, schmucken Wohnung. Mit Durchblick auf den Balkon.
Der Tisch ist gedeckt fuer zwoelf Personen. Halt, das Bild stimmt nicht! Der Fussboden ist gedeckt. Dort wo bei uns im Esszimmer der Tisch steht, ist hier der Fussboden gedeckt. Die blitzeblanken Steinfliesen des Raumes sind mit Zeitungspapier bedeckt. Auf den grossformatigen Blaettern (FAZ-Format) ist das Geschirr liebevoll arrangiert.

Das obligatorische Reisschaelchen steht dort, wo der Besucher Platz nehmen soll.
Jeder setzt sich, so gut er/sie kann, im Schneidersitz auf den Boden oder auf seine Hacken. Aber niemand streckt dem anderen die Fusssohlen entgegen. Essstaebchen werden gereicht.
Dieses ist ein reis-freies Essen. Als Beilage zu den Fleischgerichten gibt es Baguette-Brot.
Die vielen unterschiedlichen Gerichte schmecken ausgezeichnet. Besonders geniesse ich die Rohkostsalate, vor allem die, die mit Lotossprossen zubereitet sind.
Wassermelone und Ananas bilden den Abschluss.

In dieser Stunden habe ich meinen Fotoapparat nicht dabei. Ganz bewusst. Ich will nicht immer wie ein Schmetterlingssammler mit dem Kescher rumlaufen, auf der Suche nach einem besonderen Exemplar. Hoffentlich kennt noch einer diese Metapher aus der Kolonialzeit. Gemeint ist hier: Ich bin nicht jederzeit bereit - fuer den Sammlerblick mit dem Fotoklick.

Nach dem Essen schauen wir uns die Fotoalben der Gastgeberin an. Die beiden Soehne in jedem Alter und jeder Lage. Komplimente werden ausgetauscht und Vietnamesen lachen gern und herzlich.
Danke, Snow, fuer das vorzuegliche Essen und die Gastfreundschaft!


Am Abend gehen wir wieder zum Abendessen. Diesmal fahren wir in ein kleines Restaurant in der Naehe. Ich habe den Eindruck, dass niemand hier gern alleine Essen geht. Kollegen, Freunde, Verwandte, sie sitzen immer zusammen.
Die clevere Idee bei diesem Lokal: Die Motorraeder werden mit rein genommen. Dort wo sonst noch Platz waere fuer vier Tische und 16 Stuehle, hat der Wirt einen Parkraum geschaffen. Weil in HCMC Parkplaetze ohnehin immer knapper werden, muessen die Mopeds und Roller hier nicht den Buergersteug blockieren, sondern der Eingang zum Lokal bleibt frei und unverstellt.


Nach einer Suppe mit Kloessen
aus geschredderten Shrimps,
Reisnudeln und viel Gruenzeug, fahre ich mit dem team wieder ins Buero. Heute ist zum ersten Mal Nachtschicht verordnet.

Sonntag, Februar 05, 2006

District 1

Auf vielfachen Wunsch stelle ich mal ein Bild von mir auf die Seite. Kein Problem - mit Selbstausloeser, auf dem Balkon meines Hotels.
In einer Seitenstrasse der Phan Ngu Lao Street im Distrikt 1,
wer es dann genau wissen will.




Bei den Touristen aus aller Welt ist diese Gegend als Backpacker Quartier bekannt.
Die Vietnamesen sagen dazu United Nations Quarter, weil sich alle Nationalitaeten einfinden.





Im Gegensatz zu der feinen Touristenmeile am Saigon-Fluss, dort wo die Reichen in den Drei-bis-Fuenf-Sterne-Hotels absteigen, rund um die Dong Khoi Street. Beruehmt-beruechtigt sind das Hotel Caravelle und Hotel Majestic. Preisunterschiede zwischen 10 und 1.000 US$ pro Nacht und Bett. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied: Meine Gasse ist keine Durchgangstrasse, regelrecht verkehrsberuhigt. Wenn schon mal das Taxi einen Gast mit Koffern abholen muss, dann wird es eng.

Ach so, was gab es denn heute Mittag zu Essen? Goldgelbe Mango und reife Papaya direkt vom Markt, sozusagen als Selbstversorger vorab. Auf dem Weg zum Restaurant habe ich mir es anders ueberlegt. Es war schon Zeit fuer eine Tasse Kaffee und Kaesekuchen. So etwas gibt es hier. Auch der geliebte Latte nach italienischem Rezept, nicht an jeder Ecke, aber immer haeufiger. Der Unterschied: Der vietnamesische Highland Coffee (Arabica) ist wesentlich kraeftiger und aromatischer. (Wartet nur ab, irgendwann finde ich auch noch das Haar in der Suppe.)

Samstag, Februar 04, 2006

Feste feiern





Samstag beginnt mit einer jungen, frischen Kokosnuss. Ueber den Strassen von "Little Saigon".
:)

Das gemeinsame Freitag mit den vietnameschen Freunden dagegen faengt ganz harmlos an. Nach den Ferien hat jeder etwas zu erzaehlen. Hoeflichkeiten werden ausgetauscht. Das neue "Jahr des Hundes" soll noch besser werden. Mit Nuessen, Keksen und Obst werden die guten Vorsaetze besprochen. Ein paar Flaschen Apfelsaft, Wein und Schaumwein werden geoeffnet.

Es wird viel gelacht. Gute Laune. Und ploetzlich faellt das Wort Karaoke.
Ob ich Karaoke kenne? Klar. Ich gebe mich weltmaennisch. Gebe aber auch zu, dass ich noch nie auf einer solchen Party war.
Auf geht’s. Mitten im Geschaeftsviertel der Stadt, zwischen Buerokomplexen und Kaufhaeusern finden wir den Eingang zu einem Nachtclub – am Vormittag um 11 Uhr. Wir sind nicht die ersten. Ein junger Mann vom Empfang, bekleidet mit einer Art Uniform und schraeg abgeschnittener Designer-Krawatte, fuehrt uns in einen der schalldichten Raeume im dritten Stock.
An der Wand ein riesiges Sofa, davor zwei Couchtische und der alles beherrschende grosse Monitor. Auf den beiden Tischen zwei Mikrofone, dicke Aktenordner mit hunderten von Musikstuecken und die Fernbedienung zur Auswahl der Stuecke.

Zwei Stunden lang singen wir englische und vietnamesische Lieder, mit Herz und Schmerz oder ganz patriotisch. Lautstark, aus voller Ueberzeugung, als waeren wir im Fussballstadion.
Mit einem Rock’nRoll von Chuck Berry benden wir die Karaoke-Party.

Muss ich mir jetzt Gedanken machen, warum Vietnamesen schon am Vormittag mit Freunden und Geschaeftspartnern froehliche Lieder singen? (Geschaeftsreisende aus einem Wolfsburger Autowerk wurden hier noch nicht gesehen.)
Ich erlebe die Menschen hier (so mein erster Eindruck ) als liebenswuerdige, freundliche Zeitgenossen. An den Tet-Feiertagen schlaegt man auch schon mal ueber die Strenge. Vieles wird toleriert was sonst durch strenge Regeln in der Gruppe unterbleibt. Das erfahre ich in den offen Gespraechen beim anschliessenden Mittagessen.

Und wieder habe ich Appetit auf ein gutes Fischgericht mit viel Reis.

Reis - Nachtrag: Fuer das Jahr 2006 wurden bereits neue Exportvertraege mit den Philipinen, dem Nahen Osten und Afrika unterzeichnet. Vietnam will in diesem Jahr 4,2 Mio. Tonnen Reis exportieren. (Quelle: Vietnam Economic Times)

Unuebersehbar - froehlich und eindeutige in der Aussage.
Das ist kein Plakat fuer Touristen.
Ich sollte mir den vietnamesichen Text mal uebersetzen lassen.

Donnerstag, Februar 02, 2006

Eine Schale Reis am Tag

Endlich sehe ich sie, die Reisfelder Vietnams. Beim Landeanflug auf Ho Chi Minh Stadt ueberfligen wir das Mekong-Delta. Unter uns die Reisfelder in allen Schattierungen von Gruen. Ueberschaubare Parzellen. Rechtecke, wie mit dem Lineal gezogen. Das Bild einer Kulturlandschaft. Im Schwemmland des Deltas wird die Geometrie aus Kanaelen und Feldern nur durch die maeandernden Fluesse gebrochen. Ich begreife die Statistik in meinem Reisefuehrer: Nach Thailand ist Vietnam der zweitgroesste Reisexporteur der Welt.

Nach dem Einchecken im Hotel ist es endlich Zeit fuer eine kleine Mahlzeit. Ich bestelle im Restaurant nebenan, im “Little Saigon”, die beruehmte Schale Reis.

Nicht irgendeine, sondern eine Spezialitaet: Gebratener Reis mit Gemuese im Tontopf.

Fuer 20.000 Dong - ohne versteckte Nebenkosten. Einfach nur zwei Mark (Merksatz: Ich decke die letzten vier Nullen mit dem Daumen ab und weiss, was ich umgerechnet zahle. Natuerlich koennte ich auch in Euro denken, aber diese Eselsbruecke mit der alten Mark habe ich mir selber gebaut.) Dazu gibt es eine mit Chilli verschaerfte Soja-Sauce. (oder schreibt man Sosse heute mit sz?)


Die Berliner kennen Reis nur als sogenannte Saettigungsbeilage. Hier in Vietnam ein Genuss. Frueher, so hoere ich, bekam man dieses Gericht auch mit Huehnerfleisch. Aber die Zeiten haben sich geaendert. Die allerorts gefuerchtete Huehnergrippe hat die Essgewohnheiten radikal veraendert.
In der Stadt gibt es kein Gefluegel mehr. Selbst die Singvoegel im Kaefig, die in jedem Restaurant zum typischen Ambiente gehoerten (lt. Reisefuehrer) sind verschwunden. Die runden Vogelbauer liegen unter dem Treppenabsatz und warten darauf, eventuell eines Tages wieder belebt zu werden.
Zur Aufklaerung gibt es sogar einen
Vierfarbendruck (in engl. und vietn.)
>>

Die Speisenkarte fuer Touristen ist umfangreich. Fuer jeden Geschmack gibt es hier etwas. Die amerkanischen Gaeste am Nebentisch (erkennbar an ihrem Akzent) bestellen Hamburger mit Pommes. Aber bin ich deshalb ein besserer Tourist, wenn ich die gute Kueche der Vietnamesen bevorzuge?

Zum Nachtisch gibt es Papaya mit Limone. Herrlich reif. Nicht zu vergleichen mit den harten, geschmacksneutralen Importen in deutschen Supermaerkten.




Den Goettern bringen die Menschen natuerlich die besten Fruechte als Opfergabe. Der traditionelle Altar darf in keinem Gasthaus fehlen.
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Der JetLag - sechs Stunden bin ich gegen die Sonne geflogen - macht sich bemerkbar.
Zurueck im Hotel - ein Mittagschlaefchen.

Xin Chao - Hallo