Reis Reise

Hinter Reis-Reise versteckt sich ein Globetrotter. Für Verwandte, Freunde und Kollegen ist das kein Pseudonym, eher ein Hinweis auf seine neuerlichen Eskapaden in den Reisanbaugebieten. Der Autor legt keinen Wert darauf, mit seinem Tagebuch auf den Hitlisten der Suchmaschinen zu erscheinen. {;-)

Freitag, März 03, 2006

Kunst2

Frau mit Papagei - Edouard Manet
Erst bei genauerem Hinschauen gibt es Aehnlichkeiten zwischen den Damen.
Haltung der Hand, gespreizte Finger, gelangweilter Gesichtsausdruck.
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Zu den beliebten Souvenirs internationaler Touristen gehoeren richtige Gemaelde, Oel auf Leinwand. Und zu den beliebtesten Motiven, die europaeischen Klassiker der Moderne. Sie werden mit grossem Talent kopiert und preiswert verkauft. Die Branche boomt. Immer mehr dieser Kopierwerkstaetten (Galerien) oeffnen, seit der Touristenstrom nach Vietnam boomt. Ich habe bereits ein Bild in Auftrag gegeben. „Madame mit Papagei“ von Manet. Mein Freund in Koeln will seiner Mutter den Traum ihres Lebens noch erfuellen; sie moechte ihr Lieblingsbild als Original an der Wand sehen. Das Original haengt wahrscheinlich im Louvre. Die Kopien auf Papier verletzen jedes Empfinden, das der Kuenstler mit Pinsel oder Spachtel in sein Werk hineingelegt hat. Und die mechanisch reproduzierten Drucke auf Leinwand sind unverschaemt teuer in Deutschland.

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Also bietet die Kopisten in HCMCity eine echte Alternative fuer 50 bis 100 US$ pro Bild. Den Kuenstlern wird echtes Koennen nachgesagt. Von wem? Von den Franzosen. Die sollten es wissen.

Ich habe mal nachgeforscht: Sie sind es, die bereits 1924 das Talent der Vietnamesen erkannt hatten und die L’Ecole des Beaux-Arts de l’Indochine in Ha Noi gruendeten.
Als Kolonialherren nicht ganz uneigennuetzig. Hier in der Kolonie wurden die Kuenstler aus dem Heimatland kopiert oder imitiert und fuer wesentlich weniger Geld auch an sogenannte Kunstliebhaber in Frankreich verkauft. Das war ein Geschaeft, wie jedes andere Unternehmen in der Kolonie auch.
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Vietnamesischer Stil: Poetischer Realismus
Dabei blieb es jedoch nicht. Talentierte Schueler begannen kreatives Malen. So entstanden naturalistische Landschaftbilder: Bauern auf dem Reisfeld (mit den typischen Kegelhueten), Stillleben mit tropischen Fruechten und Blumen, und die anmutigen Maedchen in Landeskleidung.
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Dieser Stil fand bei den Franzosen Gefallen und wurde als exotisches Mitbringsel in Frankreich akzeptiert. Eine poetische Welle fuer Liebhaber ostasiatischer Kunst in Europa. Jetzt weiss ich, warum wieder alles mit allem zusammenhaengt. Und warum gerade hier die besten Kopisten am Werk sind. Gibt es heute auch kreative Kuenstler mit eigenen Formen und Inhalten? Es gibt sie. Wo? Ich werde mal schauen.
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Nachtrag: Die Gilde der ehrenwerten vietnamesischen Imitations-Kuenstler warnt vor den Faelschungen aus China. "They are made by machines."
Das 'ehrenwert' ist nicht ironisch gemeint. So muessen sich die Nachahmungskuenstler von den kreativen Malern eine Genehmigung einholen, um diese kopieren zu duerfen. Dafuer bekommt der Urheber schliesslich eine Umsatzprovision. Eine Art "VG Bild+Kunst".