Tanzveranstaltung
Die Geschichte beginnt mit einer Einladung meines Kollegen; er ist 69 Jahre alt und Chorsaenger. Ich bin wie immer neugierig und habe am Abend ohnehin nichts vor.
Gegen 20 Uhr treten wir in einen modernen Ballsaal mit Disko-Beleuchtung vom Feinsten.
Es ist dunkel. Die bunten Lichtspiele und die Musik lassen erkennen: Hier wird getanzt. Etwa 50 Paare bewegen sich wie in der Tanzschule, die Schritte und Formationen sind korrekt. Nicht steif, eher locker, dem jeweiligen Rhythmus folgend, entspanntes Vergnuegen mit Walzer, Tango, Rumba, Twist, alles im Repertoire.

Und wer schaut zu? Onkel Ho. (Das ist keine anbiedernde Verniedlichung, sondern ein offizieller Ehrentitel fuer Ho Chi Minh.) Die Bueste des Begruenders der Sozialistischen Republik, vor der roten Fahne mit goldenem Stern, gibt zu erkennen, dass wir in die Freizeitveranstaltung eines Staatsbetriebes geraten sind. Vieles wird deutlicher, nicht nur weil sich die Augen an das Diskolicht gewoehnt haben.
Wie fast ueberall sind die Frauen anmutig gekleidet, die Maenner dagegen eher praktisch, ohne Schlips aber mit Kragen.
Der eigentliche Anlass dieser Einladung ist die Vorfuehrung einer DVD: Deutsches Liedgut, vorgetragen vom Hamburger Maennergesangsverein. Auf dem Monitor und ueber die Lautsprecheranlage hoeren wir Lieder bekannter deutscher Volksmusik. Der Beifall ist hoeflich. Deutsch-vietnamesische Freundschaft. Der Kollege bedankt sich fuer die Aufmerksamkeit. Und wir setzen uns wieder hin. Die Tanzparty geht weiter.
So, und nun kommt’s. Wir sitzen oder stehen rum, schauen zu und staunen. Bis der Kollege den Anfang macht. Er folgt der Aufforderung des Gastgebers, er moege doch auch tanzen. Und weil er ein musikalischer Mensch ist, gerne auch in HH tanzen geht, bittet er seine Nachbarin, neben ihm sitzend, zum Tanz.
Er ist begeistert.
Auch ich werde wiederholt gebeten, mir eine Tanzpartnerin zu suchen. Ich zoegere, suche nach Ausreden, aber meine ‚anerzogene Hoeflichkeit’ laesst mich schliesslich kapitulieren.
Wir beginnen mit einem Foxtrott, oder wie immer der Tanz heisst.

Es macht Spass; ich gerate aus der Puste. Mein Kollege macht Fotos. Das Eis ist gebrochen. Offenbar halten mich die anderen Damen und Herren fuer einen guten Taenzer, zumindest fuer einen Exoten, der den anderen nicht auf die Fuesse tritt. Ich komme nicht mehr zur Ruhe und werde nun von einigen Damen direkt (nicht schuechtern) zum Tanz aufgefordert. Damenwahl. Die vietnamesischen Partner der Damen sind tolerant.
Um zu verschnaufen, ziehe ich mich zurueck, gehe nach draussen, schnappe nach Luft. Ich bin ja keine vierzig mehr. Gegen 22 Uhr ist alles vorbei. Wir werden mit dem Fahrdienst des Unternehmens ins Hotel zurueck gebracht.
Dieses Erlebnis wird uns beiden wohl noch einige Zeit in guter Erinnerung bleiben.
Ob ich allerdings die Einladung fuer den naechsten Tanzabend am kommenden Freitag annehmen soll, bringt mich kurz zum Gruebeln. Ho Chi Minh Stadt hat noch so viele Ueberraschungen parat, dass ich schliesslich dankend ablehne.
1 Comments:
Hi Fritz,
macht mal wieder viel Spaß, mit Dir auf Reis-Reise zu gehen...
Weiter so!
Übrigens kannst Du in Saigon auch Salsa tanzen - im "La Casa Latina" :-)
Bin gespannt, was Du als nächstes entdeckst...
Herzliche Grüße aus Köln,
Angelika
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