Freitag, März 31, 2006
ENTWARNUNG
Mit meinem Bericht ueber die angebliche Maladie habe ich Verwandte und Freunde etwas erschreckt.Meine besorgte Mutter moechte ich beruhigen: Das letzte Ergebnis der Laboruntersuchung ist genauso negativ wie die Lungenuntersuchung.
Ich bin N I C H T krank!
Und dass ich ueberhaupt ins Hospital gegangen bin, war Hoeflichkeit gegenueber meinen Kollegen, weil sie meinten, dort koennen mich die Aerzte beruhigen.
Das Gegenteil war der Fall.
Die Diagnose war f a l s c h !!
Dennoch habe ich viel gelernt und neue Erkenntnisse gesammelt.
Der Aufbruch aus der Heilen Welt in die Moderne Welt zeigt grosse Verwerfungen.
Da muss ein Sensibelchen wie ich auch schon mal husten duerfen.
Mittwoch, März 29, 2006
Maladie
Nun die schlechte Nachricht: Der Arzt im Franco-Vietnamese (FH) Hospital hat bei mir eine Infection respirateuse superieur diagnostiziert.
Die frueher im blog beschrieben Erkaeltung hatte ich mit Hausmitteln und Eukalzptus behandelt. Die vom Betriebsarzt angebotenen Antibiotika hatte ich ausgeschlagen. Doch nicht wegen einer so laeppischen Erkaeltung! Linderung war zu spueren; ich dachte, ich sei ueber den Berg. Der Husten allerdings blieb hartnaeckig, Halsschmerzen kamen hinzu, aber kein Fieber. Am Montag konnte ich kaum sprechen.

Die besorgten Kollegen wollten nun doch, dass ich endlich einen richtigen Arzt aufsuche. Ein Termin wird vereinbart, per Taxi geht’s ins FV-Hospital.
Dr. Med. Khao, Absolvent einer Pariser Akademie, untersucht mich gruendlich. Um seine und meine Besorgnis schlimmerer Ursachen auszuschliessen, stimmte ich einer Radiographie Thorax zu. Nach 20 Minuten ist klar, dass die Lunge keine Besonderheiten aufweist. Eine Beruhigung fuer mch, bei all den Horrorgeschichten, die man im Kopf nach Vietnam mitschleppt.
Mais, pourquoi?
Er gibt mir drei Gruende fuer die Infektion der Atemwege:
Der Klimawechsel, die Erkaeltung und die Luftverschmutzung.
Ueber meinen Leichtsinn im Umgang mit der Klimaanlage im Buero hatte ich mich schon genug geaergert. Nun muss ich auch noch zugeben, dass ich die Luftverschmutzung in der rush-hour auf die leichte Schulter genommen habe. So bin ich, wie meine maennlichen Kollegen, ohne Mundschutz durch die Stadt gefahren. Die Bildunterschrift in dem blog am 12.3. 2006 beschreibt erst jetzt in der Rueckschau eine persoenliche Erfahrung.
Fuer sieben Tage mit Medikamenten versorgt entlaesst mich Dr. Khoa und will mich in der naechsten Woche wiedersehen.
Die Medikamente zeigen Wirkung. Ich fuehle mich elend, schlapp und verlasse das Hotel nur zu den Mahlzeiten - dann aber mit Mundschutz.
Als Experte in tropischen Regionen habe ich schon so einige Erfahrungen gesammelt. Durchfallerkankungen sind die unangenehmsten. Nun habe ich eine neue Variante vermeidbarer Infekte in der Erfahrungskiste. Luftverschmutzung macht krank, sagt Dr. Khao. Ein Glueck wenigstens, dass ich Nichtraucher bin.
Fuer die Freunde und Kollegen im industrialisierten Norden: Der industrielle Fortschritt hat seinen Preis. Smogwarnungen, hohe Ozonwerte, Rauchverbote, saubere Umwelt sind keine Spinnereien der: Oekologen, die es den Unternehmern nur schwer machen wollen, ihre Profite zu maximieren.
Umweltzerstoerung toetet auch Menschen.
Das hier zu erfahren macht mich traurig.
Mit meinen Privilegien als Auslaender finde ich schnell Hilfe bei . Was aber geschieht mit den Menschen, die sich keine Sonderbehandlung à la Francaise leisten koennen?
Untersuchung, Roentgenbild und Medikamente haben mich so viel gekostet, wie ein Arbeiter oder Angestellter durchschnittlich hier in einem Monat verdient: 50 US$.
Maladie, zweiter Teil (Sieben Tage spaeter)
Die Enttaeschung ist groß. Der Einsatz der pharmakologischen Keule hat nichts bewirkt. Der Husten quaelt mich noch immer, schlimmer denn zuvor.
War die Diognose falsch? Waren die teuren Medikamente vielleicht ”fakes“?
Meine Begeisterung fuer Dr. Khoa hat erheblich nachgelassen. Deshalb bin ich auch mit einem Kollegen zur Nachuntersuchung gefahren, damit meine Fragen nicht im Sprachenmix falsch verstanden werden.
Mein junger Kollege spricht gut englisch, vietnamesich ist sein Muttersprache.
Schon in den ersten fuenf Minuten im Sprechzimmer schaut mich Tim (der Kollege) an und meint, dass der Arzt nicht sehr gespraechig sei.
Dr. Khoa untersucht mich: Blutdruck messen, Herz und Lunge abhorchen, nach Fieber fragen.
Warum die Medikamente nicht angeschlagen haben, will ich wissen. Keine Auskunft. Der Doktor verkriecht sich hinter seinem PC-Monitor.
Er schreibt bereits ein neues Rezept, diesmal fuenf neue Medikamente. Warum? Nun, weil die anderen offenbar nicht gewirkt haben, ist die spontane Antwort.
Ich versuche ihm zu erklaeren, dass ich frische Luft brauche, dann wird alles wieder gut. Er erklaert mir, dass es im Krankenhaus nur bei Operationen Sauerstoff gaebe. Falscher Fuss?
Wo es denn in der Naehe von HCMC richtige frische Luft gibt? Ich suche das Gespraech. Dafuer sei er als Arzt nicht zustaendig. Was ist besser: Seeluft oder Bergluft? Seeluft! Ob er mir eine solche Luftkur empfehlen koenne. Nein, das sei nicht seine Aufgabe. Was also wolle er mir empfehlen?
Der Doc schreibt Ueberweisungen aus, man muesse doch ersteinmal die Ursache finden, warum die Bakterien oder Viren so resistent seien.
1. Labortermin fuer den Hustenauswurf. Okay.
2. Blutsenkung. Nein - ich widerspreche, zumal vor drei Wochen in der Firma im Rahmen der Reihenuntersuchung auch bei mir Blut abgenommen wurde. Ich verspreche Dr. Khoa, ihm die Werte vom Betriebsarzt zu uebermitteln. Ich habe schon damals gehustet.
3. Roentgen. Ich verliere ein wenig die Fassung. Zweimal innerhalb von sieben Tagen die Lunge roentgen, das sei doch medizinisch nicht verantwortbar, zumindest in Deutschland, sage ich ihm. Zumal der erste Roentgenbefund keine krankhaften Auffaeligkeiten zeigte. Ich bin geschockt.
Der Doktor gibt mir zu verstehen, dass er alle Moeglichkeiten der Klinik ausschoepfen muesse, um die Ursache zu finden. Die Moeglichkeiten der Klinik? Das sind offenbar die ausnutzung der teuren Apparate.
Ich stelle fest, das der junge Mediziner seine Anweisungen hat. Er kann sich nicht mit dem Patienten und seiner Krankheit befassen, er kann nur die Ergebnisse aus den Apparaten in Medikamente uebersetzen - auch dabei hilft ihm ein Computerprogramm.
Im Mucus-Testlabor erfahre ich, dass das Ergebnis erst in drei Tagen vorliegen wird. Das Rezept mit den fuenf neuen Medikamente habe ich aber schon. Ich frage, ob ich das Ergebnis erst abwarten solle? Die freundliche Arzthelferin verbindet meinen Dolmetscher mit Dr. Khoa. Ich merke, dass der ziemlich genervt reagiert: Dann soll ich eben noch drei Tage mit dem Kauf der Medikamente warten.
Goetter in Weiß, hier Made in France. 
Ich bin kein pflegeleichter Patient, zumal ich jederzeit nach Deutschland ausreisen koennte, wenn ich mich wirklich elend fuehlte oder ein Notfall waere.
Mein Kollege erklaert mir auf dem Heimweg, dass ein Arzt in Vietnam natuerlich eine ganz besondere soziale Stellung geniesst. Es gibt nicht genuegend Aerzte, um die Bevoelkerung medizinisch angemessen zu versorgen. Und wer es als Arzt in ein modernes, privatwirtschaftlich gefuehrtes Krankenhaus geschafft hat, der ist ein VIP.
Dr. Khoa hat es geschafft.
Auf den Befund aus dem Labor bin ich gespannt.
Montag, März 27, 2006
Ornithologe Reichholf antwortet

Auf der Unterseite XINCHAO zum Blog "Reis-Reise"
findet ihr die Antwort von Prof. Josef Reichholf :
Der Ornithologe schlaegt vor, dass auch an anderer
Stelle geforscht werden muesste, so z.B. in den grossen Vogelkolonien Sued Amerikas.
Lesenswert, klar!
Donnerstag, März 23, 2006
Langsam etwas schneller
Der Autor mit junger Kollegin.
Auf dem Weg in die Mittagspause zum kalten Buffet.Auch ein Totalschutz ist immer noch ein modisches Attribut.
Rush Hour
Das taegliche Verkehrschaos verursachen hauptsaechlich Moped- und Roller-Fahrer auf Honda. Diese Firma verkauft die meisten motorisierten Zweiraeder. Seit einer Woche fahre ich eine Honda Racoon.
Ich habe lange ueberlegt, ob ich mir das antun soll. Bis ich einen Grund fand, mir
k e i n e n schicken 250-ccm-Roller zu leihen, sondern ich habe mir eine Honda gekauft. Meine Kollegen haben es mir von Anfang an zugetraut. Doch ich bestand immer noch auf den Taxifahren zwischen Hotel und Buero. Fuer 15.000 dong (1,50 DM) ist eine Fahrt ein preiswertes und klimatisiertes Vergnuegen. Auch laengere Fahrten in der Stadt sind billig.
Seit ich aber die Strecken auswendig kenne, meinen Radius um das Hotel als Fussgaenger nicht weiter ausdehnen kann, bleibt eine unbefriedigte Neugier. Was ist hinter dem Fluss? Ich moechte mehr sehen.Radius 15 Kilometer
Mit meiner Honda schaffe ich nun einen Radius von 15 Kilometern. Fuer diese Entfernung reicht eine Akku-Ladung. Meine Honda ist naemlich ein Fahrrad mit Hilfsmotor. Second-hand. Die Verkaeuferin hat mir auch versprochen, das Fahrzeug zurueckzunehmen, wenn ich VN wieder verlasse.
Fuer diese Wahl des Antriebs gibt es zwei Gruende:
1. Auslaender in VN duerfen keine Benziner fahren, es sei denn sie haben einen vietnamesischen Fuehrerschein.2. Wenn die Touristen es trotzdem tun, dann ist das illegal; also zahlt auch keine Versicherung bei Unfaellen. Auch meine deutscheReiseversicherung wuerde sich rausreden koennen.
Also strampele ich mit eigener Kraft durch die Stadt und halte dort an, wo ich will. Wird es zu anstrengend in der Hitze, schalte ich den Hilfsmotor ein. Die einzigen Steigungen sind die Brueckenauffahrten ueber den Saigon-Fluss.
Zu dem beruehmt-beruechtigten Verkehr auf Saigons Strassen will ich schon lange etwas schreiben, aber erst jetzt sammele ich hautnahe Erfahrungen. Mehr dazu spaeter.
Jetzt schleiche ich ersteinmal mit meiner Honda zurueck ins Hotel.
Parkraumbewirtschaftung ist ein riesiges Problem.
Auch meine HONDA Racoon
(das Fahrrad mit dem Koerbchen vorne)
braucht eine Stellflaeche im Hotel.
Dienstag, März 21, 2006
Fragen: Agent Orange + Vogelgrippe
Der Warenkorb in Vietnams Metropolen ist gut gefuellt.Produkte mit moeglichen Vogelgrippeerregern werden nicht beworben.
Ueberall auf der Welt wird geraetselt und geforscht, warum sich die Vogelgrippe jetzt so schnell verbreitet. Wo kommt das Virus her?
Die Wildvoegel haben zur Zeit den Schwarzen Peter, wenigstens in Europa. Diese wiederum sollen sich irgendwo in Asien angesteckt haben. In China oder in Vietnam. Das erklaert aber noch nicht, wie dieses Virus eigentlich entstanden ist. Durch Mutation, so wird behauptet. Auch eine Mutation hat einen oder mehrere Gruende. Den Forschern ist der Nachweis gelungen, dass diese Viren-Mutation zum H5N1-Strang in Asien, genauer wohl in Vietnam liegt. Hier gibt es auch die meisten Menschen, die durch diese Infektion gestorben sind. Chinas Zahlen sind nicht eindeutig.
Als Nicht-Virologe frage ich immer noch, wie konnte es zu dieser Mutation kommen? Und wenn wir das wissen, hilft es uns heute bei der Bekaempfung der zu erwartenden Epidemie oder Pandemie?
Ueber die Urspruenge wird offenbar immer noch geraetselt. Es gibt viele Erklaerungsversuche und Theorien. Auch die Wissenschaft ist nicht frei von Interessenskonflikten. Um es polemisch zu sagen - auch Wissenschaftler lassen sich hin und wieder, bewusst oder unbewusst, vor einen “Karren spannen”.
Parallelen
Ein kurzer Rueckblick in die Geschichte sei mir erlaubt.
Ueber die Urspruenge des HI Virus (Aids) wurde lange Zeit spekuliert. In vielen Koepfen sitzt der Gedanke immer noch fest, dass HIV/Aids aus den Labors der US-Militaers entwichen ist. Wir wissen inzwischen, dass diese Behauptung im Kampf der Ideologien waehrend des Kalten Krieges lanciert wurde. Es hat viele Jahre gedauert, bis der eigentliche Ursprung des Erregers in einer Spezies von Affen in Afrika nachgewiesen wurde. Das Virus gab es also schon lange bevor Aids als Seuche die US-Amerikaner aufschreckte, schliesslich nach Europa kam und sich nun bis in den entlegensten Winkel der Erde ausgebreitet hat.
Nun sitze ich hier in Vietnam und lese taeglich ueber Bird Flu oder Avian Influenza in den Medien. Mit einer gewissen Ironie sprechen die hiesigen Kollegen schon mal davon, ob sie wirklich nach Europa reisen sollen, wo es ja dort inzwischen die Vogelgrippe gibt.
Die Antwort in Deutschland ist schnell auf dem Tisch, auf dem Stammtisch: Mangelnde Hygiene bei den Bauern im vietnamesischen Hinterland. Dort leben die Menschen mit Huehnern, Enten und Schweinen auf engstem Raum zusammen. Da muss ja irgendwann einmal ein “anstaendiges” Virus mutieren.
Das ist eurozentrischer Zynismus.
Ist mangelde Hygiene wirklich die Ursache, oder vielleicht der Grund fuer die schnelle Verbreitung der Viren? Armut kommt von der Poverte haben wir frueher in der Schule gehoert, wenn der Lehrer uns klarmachen wollte, das wir den Gedanken nicht zuende gedacht hatten.
Ich habe nun eine Idee, die ich noch an keiner Stelle gelesen habe, auch in keiner der Verschwoerungstheorien uebereifriger Vielschreiber. Ein Gedanke, der mir in Vietnam kommt. Die Folgen des Krieges bis 1975 sind in der Oeffentlichkeit immer gegenwaertig. Ganz besonders die Folgen des Einsatzes von Agent Orange als Entlaubungsmittel durch die Amerikaner. Wir erinnern uns: Ueber diesem Land wurden Mega-Mengen Gift versprueht.
(Fussnote: s. Zeitungsbericht SGGP/Online vom 18.3.2006)
Discovery of Gene Mutation in Agent Orange Victims: Scientists
Was Dioxin in konzentrierter Form bewirkt ist weltweit unbestritten: Es toetet nicht nur, sondern es veraendert auch langfristig die Erbmasse, die Gene.
Veraenderungen der Erbmasse werden auch als Mutationen bezeichnet. Und jetzt komme ich zu der logischen Frage: Hat das Dioxin in Vietnam auch die Mutation des Virus verursacht? Mutierte das bislang fuer Huehner in Vietnam krankmachende Virus zu einem toetlichen Virus?
Wer aber gibt eine Antwort?
Prof. Josef Reichholf, Abteilungsleiter der zoologischen Staatssammlung in München,
hat am 7.3.2006 in DIE WELT ein Essay „Neue Pest, alte Angst“,
geschrieben, in dem er die Behauptung anzweifelt, Zugvoegel seien die Ursache fuer die Verbreitung der Vogelgrippe in Europa.
Ein Zweifler in der Wissenschaft. Ich werde ihm meinen gedanklichen Ausflug in die Welt des Federviehs in Vietnam zuschicken. Vielleicht kennt er einen Virologen, der sich auf Vogelvieren spezialisiert hat.
Vielleicht kennt er sogar einen Kollegen in Vietnam, der darueber schon geforscht hat. Auch das waere moeglich, frei nach Tucholsky: Es gibt keinen Neuschnee!
Sonntag, März 19, 2006
Seidenspinner-Raupen
La Cuisine a la Ha Noi ist ein wenig anders als die im Sueden des Landes.Kollegen, urspruenglich aus dem Norden, wollen mir den Unterschied zeigen und mich teilhaben lassen an den Koestlichkeiten.
Das Beste ist das frisch gezapfte Bier! Der Rest ist gewoehnungsbeduerftig. Kein Reis.
Jeder meiner Kollegen weiss inzwischen, dass ich Vegetarier bin, Fisch und Meeresfruechte aber akzeptiere . Auch im Ha Noi Restaurant kann ich mich erfolgreich vor Fleichsgerichten mit Innereien und Speckschwarten druecken. Es gibt kulturelle Eigenheiten, die man hier respektiert.

Die Ueberraschung kommt dennoch am Schluss.
Eine Schuessel mit geroesteten Seidenspinner-Raupen.
Nicht nur aus Hoeflichkeit, sondern auch um meine Neugier zu befriedigen, habe ich drei (3 !) probiert und auch gegessen. Sie schmecken ganz gut - kein Ekel.
Bei Licht (Fotoblitz) besehen wird mich jedoch klar, dass diese Nachspeise meine Lieblingsgerichte auf Reisbasis nicht verdraengen wird.
Zum Schluss habe ich noch einen Wunsch frei: Obst bitte!
Wunderbare Pomelo (Familie der Grapefruit) geben dem Essen den gewuenschten, fruchtigen Nachgeschmack.
Ich bin gespannt, was mich als Gourmet in Ha Noi erwartet, wenn ich dort hinreisen sollte.
Samstag, März 18, 2006
Herr Schroeder in VN
Update:
Saigon Times vom 20.03.2006
"Former German chancellor says always wants to visit Vietnam"
Viet Nam News - nicht gerade als Aufmacher, aber auf der ersten Seite:
"Generalsekretaer begruesst frueheren deutschen Kanzler"
Die Meldung im Einzelnen:
Partei-Generalsekretaer Manh begruesste gestern den frueheren Kanzler Gerhard Schroeder; mit ihm reist Michael Ringier, Praesident der Schweizer Ringier AG, Druckei- und Verlagsgruppe. ....
Auf der zweiten Seite geht es dann weiter.
.... Der Partei-Sekretaer Manh heisst Schroeder und Ringier willkommen. Dieser Besuch wird die Freundschaft und Cooperation zwischen Vietnam und Europa foerdern. Manh erklaert den beiden Besuchern das Prinzip DOI MOI (Erneuerung), Selbstbestimmung und die offenen Auslandsbeziehungen.
Schroeder und Ringier teilten diese Ansicht und unterstuetzen Vietnams aktive Entwicklung und langanhaltende Kultur. Ringier berichtete ueber die Aktivitaeten der Ringier AG in Vietnam. Schroeder versprach, er wolle dazu beitragen, die Freundschaft und die Tradition der Zusammenarbeit zwischen Deutschland, der Schweiz und Vietnam zu steigern.
So heisst es woertlich in der Meldung, kurz und klar.
Fussnote:
1993 lancierte Ringier in einer Kooperation mit einem vietnamesischen Partner eine Cash-Adaption. Später folgten eine Modezeitschrift, eine Konsumentenzeitschrift, ein Tourismusführer und das englischsprachige Monatsmagazin Vietnam Economic Times. (Ringier AG, Zuerich)
Auf der gleichen, ersten Seite wird die Freundschaft mit Laos, China und Kuba beschworen. Ein shake-hands Bild mit Kubas Fidel Castro und einem fuenf-Spalten Bild, das ruestige alte Frauen und Maenner in VN beim Tai-Chi zeigt. Schlagzeile: PM Khai ruft auf, sich staerker um die Belange der Senioren zu kuemmern.
Manchmal komme ich schon ins Gruebeln, wenn ich die Zeitungen lese. Es steht viel drin, aber so richtig informiert werde ich nicht. Das Lesen zwischen den Zeilen haben wir in Deutschland verlernt.
Freitag, März 17, 2006
Behoerdengang, der zweite
Erfolgreicher Abschluss. Mein Dokument wurde uebersetzt und lag griffbereit am Schalter.
Ich habe mich bei dem aelteren Herren bedankt und gefragt, wie alt er sei. 60 Jahre alt.
"We could be brothers."
Donnerstag, März 16, 2006
Behoerdengang
Ruhe und Gelassenheit sind die unterstellten Tugenden im Alter. In diesem Land, wo die grauen Haare im Alter zwar selten durchscheinen (die Firma Schwarzkopf ist gut im Geschaeft) wird die Lebenserfahrung respektiert.
Gestern wurde diese – meine – Gelassenheit auf die Probe gestellt. Beinahe haette sie mich verlassen. Ein Behoerdengang in Deutschland ist schon eine Mutprobe: Wo liegt die Schmerzgrenze? Ob vietnamesische Beamte von den Deutschen dieses Prinzip der doppelten, dreifachen, vielfachen Kontrolle der Ablaeufe uebernommen haben? Es sieht fast so aus. Nur ist die gruene Stempelfarbe jetzt rot.
Die Einzelheiten will ich dem Leser ersparen. Jeder kennt das Warten in der Schlange und das Gruebeln ueber Sinn oder Unsinn der Beamtentaetigkeiten. Fuenf verschiedene Schalter, aber keine Warteschlange. In diesem Land ist jeder der kommt auch der Erste. Das funktioniert auf dem Amt in Ho Chi Minh Stadt wie im Strassenverkehr.
Der schon etwas aeltere Herr Beamte, mit guten Englischkenntnissen, spricht mich freundlich an – wie unter Gleichaltrigen. Ich solle doch am Freitag wiederkommen und meine Dokumente abholen.
Ich bin versoehnt!
Dienstag, März 14, 2006
Regen am Abend, . . .
Der Wetterbericht verspricht hohe Temperaturen, aber keinen Regen, obwohl der Himmel grau ist. Seit vier Wochen habe ich keinen Regen gesehen. Heute aber, am Abend, auf dem Weg ins Hotel, zwingt mich unerwartet ein Platzregen unter einen Ladenvorbau. Ein herrliches Gefuehl! Ich wuerde gern im Regen tanzen, aber das saehe wohl etwas seltsam aus.
Schlagartig stoppt der Moped-Verkehr fuer eine Weile. Fahrer und Beifahrer muessen ihre Regenkutten erst rausholen. Diese sind immer unter der Sitzbank verstaut.

Anstatt zu tanzen fotografiere ich. Die kleine Geschichte vom Besen, die mir wahrscheinlich ohne das entspannte Warten auf das Ende des Schauers, nicht aufgefallen waere.
Waehrend sich die meisten Fahrer (Fussgaenger gibt es ohnehin kaum) ins Trockene gefluechtet haben, steht der Besen im freien Raum.

Doch dann passe ich einen Moment nicht auf, die Lichtreflexe auf den Mopeds faszinieren mich.
Der Besen ist weg!
Der Platzregen ist vorbei, es regnet nur noch.
Die Menschen trauen sich wieder auf die Strasse.
Da sehe ich den Besen.
Die Frau von der Stadtreinigung hat ihr Handwerkszeug wieder zusammen.
Montag, März 13, 2006
Warum Deutsche selten nach Da Lat reisen
Der Besuch in den Blauen Bergen hat ein Nachspiel. Ausloeser war wohl die Tourismus Boerse in Berlin (ITB). In einem Bericht habe ich meine Eindruecke zusammengefasst, in englischer Sprache.
Auf dem Rueckweg von Da Lat nach Ho Chi Minh Stadt wurde ich seinerzeit gefragt, warum die Deutschen so selten die schoene Blumenstadt besuchen.
Eine Frage, die mich eine Weile beschaeftigt hat.
Die Antwort habe ich meinen Partnern ins Netz geschrieben. Wer sich nicht scheut, hier auch englische Texte zu lesen, dem zeige ich den Link.
Exploring the beauty of modern Vietnam a German journalist
came to Da Lat. He was impressed and tried to put his personal
feelings in writing.
A very subjective look at one of the attractive places tourists shouldn’t miss.
Da Lat offers more than Flowers
Blick zurueck zum Sonntag, Februar 12, 2006
Besuch in den Blauen Bergen
Sonntag, März 12, 2006
Samstag, März 11, 2006
Schluesseldienst
Meistens gehe ich auf einem noch nicht erkundeten Weg zurueck ins Hotel. Moeglichst auf der Schattenseite der Strasse. Die Augen offen.Die Buergersteige sind nicht fuer die Fussganger da, sondern sind oeffentlicher Raum und ein Platz fuer alle moeglichen Kleinstunternehmer.
Zu Fuss gehen heisst Slalom laufen. Die lichte Hoehe der gespannten Sonnensegel oder Ueberdachungen ist fuer Vietnamesen ausgelegt. Mit eins-achtzig habe ich da schon meine Erfahrungen gesammelt.
Da steht wieder so ein Verkaufstand ”in meinem Weg”. Der Mann feilt an einem Schluessel; er ist mit einer Mopedfahrerin beschaeftigt. Sie laesst sich einen Ersatzschluessel anfertigen. Ich schaue zu, bis der
Schluessel passt. Die Frau zahlt und faehrt, offenbar zufrieden, weiter.
Wie hat er das gemacht?
Ohne Werkstatt, kein Schraubstock,
kein“Was-braucht-man-zum-Kopieren-eines-Schluessels?”.
Dann sehe ich das Kopier-Geraet, hinter ihm auf dem Buergersteig: Sein Moped.Nicht gerade verkehrstuechtig. Mit dem Kick startet er den Motor. Der Keilriemen an der Seite bringt die Drehbank in Schwung.
Ich fragen den freundlichen Handwerker, ob er mir einen
Ersatzschluessel anfertigen kann. Der einzige, den ich in der Tasche habe, ist der Safeschluessel vom Hotel. Klar, kann er. Und fotografieren darf ich auch.
(Die Fotos anklicken und dann koennt ihr diese groesser sehen!)

Storchenschnabel heisst das Geraet, mit dem alles mechanisch kopiert werden kann. Oder irre ich mich?


Eine vielleicht unpassende Assoziation in diesem Zusammenhang. Dieser Einfallsreichtum und die Geschicklichkeit, die mich hier immer wieder faszinieren, haben seinerzeit die hochspezialisierte Kriegsmaschinerie Frankreichs und der USA ausgetrickst.
Mit Bewunderung und Erstaunen stecke ich meinen Ersatz-Safeschluessel ein, den ich nicht wirklich brauche. Nur so richtig sicher erscheint mir mein Safe nun nicht mehr. Wo aber gibt es 100-prozentige Sicherheit?
Donnerstag, März 09, 2006
Caffè latte

Es gibt kleine Gewohnheiten, die man erst als solche erkennt, wenn diese von der Werbung neu ins Bewusstsein geholt werden.
Hier in der Stadt kann ich nun mal wieder einen "echten" Caffè latte trinken.
Die Bohne kommt aus Vietnam, das Konzept aus den USA.
Bobby Brewers mit dem Roten Stern.
Der Preis ist fuer Touristen. Nahezu unerschwinglich fuer die Vietnamesen, die die Touristen bedienen.
Der Kaffee schmeckt gut. Die Milch ist frisch und appetitlich aufgeschaeumt. Dieses kleine Laster goenne ich mir jetzt schon mal.
Als Anregung fuer die Kollegen in Koeln im VSH. Das hiesige Glas hat eine praktische Bauchbinde aus bedruckter Wellpappe. So verbrennt sich der Kunde nicht die Finger und der Inhalt bleibt ein wenig laenger heiss.
Mittwoch, März 08, 2006
Schuhe

Neue Schuhe. Die 3-Wochen alten habe ich zurueck gebracht. Reibungsloser Umtausch.
Mit der Schuhindustrie in diesem Land habe ich nun eine ganz persoenliche Erfahrung.
Dieser Strafzoll, so weiter im Text, werde wahrscheinlich die Arbeitgeber in der Schuhindustrie veranlassen, ihre Produktion ins benachbarte Ausland (welches wird nicht genannt) verlagern. 265 Millionen Paar Schuhe wurden 2005 in die EU exportiert.
Ruehrend dieser Appell der 500.000 Frauen in der Schuhindustrie-Gewerkschaft, dem der Unternehmerverband nicht widerspricht.
50 US$ Lohn
Es stimmt. Es gibt Laender in der Region, in denen koennte man mit noch billigeren Arbeitskraeften produzieren. Die Frauen bekommen hier weniger als 50 US$ im Monat. Sie werden in den laendlichen Gebieten, den abgelegenen Bergdoerfern, angeworben und wohnen in kasernen-aehnlichen Unterkuenften, fuer die sie auch noch extra bezahlen muessen.
Die „industrielle Reservearmee“ der Schuhfabrikarbeiterinnen (hier werden so manche Begriffe aus der ideologischen Mottenkiste richtig griffig) besteht hauptsaechlich aus ledigen Frauen, Maedchen vom Lande, die keine Maenner geschweige denn Kinder haben.
Die Firma ALSIMEX hat in den ersten beiden Monaten des Jahres 2006 etwa 600.000 Leinen-Stoff-Schuhe in die EU exportiert. Das sind 20% mehr als im vergleichbaren Zeitraum vor einem Jahr. Saigon Times Daily (7.3.2006)
LEVIS made in Vietnam. Ich glaube es nicht. Die Schuhe, die hier in den Sonderwirtschaftszonen hergestellt werden, gehen ausschliesslich in den Export. Deshalb sind Marken wie adidas, Puma, Nike hier nicht billiger, oder hoechstens ein bisschen, weil die Ladenmiete und die Gehaelter des Verkaufspersonals niedriger sind.
Wie aber kommt LEVIS auf den hiesigen Markt? Eine Recherche ist nicht einfach. Da wuerden Spuren aufgedeckt, die keiner beschreiben will.
Ausschussware? Informeller, grenzueberschreitender Handel mit China? Re-importe?
Deutschlands und Oesterreichs Schuhhandel
Bei meinem naechsten Schuhkauf in Deutschland, wenn ich mal wieder bei Ketten wie Strauss Inovation oder Tchibo oder You Name It, preiswerte Schueh fuer 15 bis 25 Euro im Angebot sehe, dann troestet es mich, dass diese Treter auch am Ort der Herstellung nicht billiger sind.
Ueber die Arbeitsbedingungen der Frauen hatte ich bislang nicht nachgedacht. Aber auch in Deutschland und Oesterreich gibt es Verbaende, die die geplanten Schutzzoelle der EU ablehnen und eine Aussetzung von der EU-Kommussion, von Peter Mandelson, verlangen. Wer sagt das? Der jeweilige Verband des Schuh-Einzelhandels.
Bei diesen niegrigen Preisen gibt es offenbar immer noch eine ausreichende Gewinnspanne.
Dienstag, März 07, 2006
Fotomotive ohne Ende

Schoen hergerichtet. Franzoesische Lichtkuenstler waren am Werk.
(Bild anklicken+vergroessern, mit Stativ selbst gemacht)
Eigentlich sind alle Fotos in dieser Stadt gemacht. Bei flickr.com muss man nur das Suchwort HCMC oder Saigon eingeben. Dann springen tausende von thumbnails auf. Bilder in Serie, zu jedem Thema.
- Frauen mit Kegelhueten
- Vespa Oldtiemer in allen Farben
- Mobile Verkaufsstaende auf Fahrraedern
Eigentlich. Dennoch kann ich nicht widerstehen, immer mal wieder ein neues Motiv zu schiessen. Die 3 Millionen Mopedfahrer bilden eine Serie ohne Ende. Wenn man nur die Kinder zwischen und vor den Eltern aufnimmt, dann reicht der Chip nicht aus, um die Bilder zu speichern. Vier Kinder, Eltern und Hunde. Das glaubt keiner, der es nicht gesehen hat. Ich werde mich mal am Samstag an der Kreuzung postieren. Vielleicht gelingt mir ja das Bild zum Beweis. Es bleibt spannend.
Montag, März 06, 2006
Tanzveranstaltung
Die Geschichte beginnt mit einer Einladung meines Kollegen; er ist 69 Jahre alt und Chorsaenger. Ich bin wie immer neugierig und habe am Abend ohnehin nichts vor.
Gegen 20 Uhr treten wir in einen modernen Ballsaal mit Disko-Beleuchtung vom Feinsten.
Es ist dunkel. Die bunten Lichtspiele und die Musik lassen erkennen: Hier wird getanzt. Etwa 50 Paare bewegen sich wie in der Tanzschule, die Schritte und Formationen sind korrekt. Nicht steif, eher locker, dem jeweiligen Rhythmus folgend, entspanntes Vergnuegen mit Walzer, Tango, Rumba, Twist, alles im Repertoire.

Und wer schaut zu? Onkel Ho. (Das ist keine anbiedernde Verniedlichung, sondern ein offizieller Ehrentitel fuer Ho Chi Minh.) Die Bueste des Begruenders der Sozialistischen Republik, vor der roten Fahne mit goldenem Stern, gibt zu erkennen, dass wir in die Freizeitveranstaltung eines Staatsbetriebes geraten sind. Vieles wird deutlicher, nicht nur weil sich die Augen an das Diskolicht gewoehnt haben.
Wie fast ueberall sind die Frauen anmutig gekleidet, die Maenner dagegen eher praktisch, ohne Schlips aber mit Kragen.
Der eigentliche Anlass dieser Einladung ist die Vorfuehrung einer DVD: Deutsches Liedgut, vorgetragen vom Hamburger Maennergesangsverein. Auf dem Monitor und ueber die Lautsprecheranlage hoeren wir Lieder bekannter deutscher Volksmusik. Der Beifall ist hoeflich. Deutsch-vietnamesische Freundschaft. Der Kollege bedankt sich fuer die Aufmerksamkeit. Und wir setzen uns wieder hin. Die Tanzparty geht weiter.
So, und nun kommt’s. Wir sitzen oder stehen rum, schauen zu und staunen. Bis der Kollege den Anfang macht. Er folgt der Aufforderung des Gastgebers, er moege doch auch tanzen. Und weil er ein musikalischer Mensch ist, gerne auch in HH tanzen geht, bittet er seine Nachbarin, neben ihm sitzend, zum Tanz.
Er ist begeistert.
Auch ich werde wiederholt gebeten, mir eine Tanzpartnerin zu suchen. Ich zoegere, suche nach Ausreden, aber meine ‚anerzogene Hoeflichkeit’ laesst mich schliesslich kapitulieren.
Wir beginnen mit einem Foxtrott, oder wie immer der Tanz heisst.

Es macht Spass; ich gerate aus der Puste. Mein Kollege macht Fotos. Das Eis ist gebrochen. Offenbar halten mich die anderen Damen und Herren fuer einen guten Taenzer, zumindest fuer einen Exoten, der den anderen nicht auf die Fuesse tritt. Ich komme nicht mehr zur Ruhe und werde nun von einigen Damen direkt (nicht schuechtern) zum Tanz aufgefordert. Damenwahl. Die vietnamesischen Partner der Damen sind tolerant.
Um zu verschnaufen, ziehe ich mich zurueck, gehe nach draussen, schnappe nach Luft. Ich bin ja keine vierzig mehr. Gegen 22 Uhr ist alles vorbei. Wir werden mit dem Fahrdienst des Unternehmens ins Hotel zurueck gebracht.
Dieses Erlebnis wird uns beiden wohl noch einige Zeit in guter Erinnerung bleiben.
Ob ich allerdings die Einladung fuer den naechsten Tanzabend am kommenden Freitag annehmen soll, bringt mich kurz zum Gruebeln. Ho Chi Minh Stadt hat noch so viele Ueberraschungen parat, dass ich schliesslich dankend ablehne.
Freitag, März 03, 2006
Kunst2
Erst bei genauerem Hinschauen gibt es Aehnlichkeiten zwischen den Damen.
Haltung der Hand, gespreizte Finger, gelangweilter Gesichtsausdruck.
.
Also bietet die Kopisten in HCMCity eine echte Alternative fuer 50 bis 100 US$ pro Bild. Den Kuenstlern wird echtes Koennen nachgesagt. Von wem? Von den Franzosen. Die sollten es wissen.Ich habe mal nachgeforscht: Sie sind es, die bereits 1924 das Talent der Vietnamesen erkannt hatten und die L’Ecole des Beaux-Arts de l’Indochine in Ha Noi gruendeten.
Dabei blieb es jedoch nicht. Talentierte Schueler begannen kreatives Malen. So entstanden naturalistische Landschaftbilder: Bauern auf dem Reisfeld (mit den typischen Kegelhueten), Stillleben mit tropischen Fruechten und Blumen, und die anmutigen Maedchen in Landeskleidung.

- Dieser Link fuehrt zur oben gezeigten Replikaten-Galerie
www.hoanglonggallery.com
Mittwoch, März 01, 2006
Wachstum nach Plan

Reis bleibt mein Grundnahrungsmittel. Heute vegetarisch, angebraten im Lotosblatt. Dazu eine Portion Spinat mit Knoblauch.
Und weil ich mich heute ein wenig schonen muss, schaue ich laenger in die Morgenpresse. Es ist ein Ausflug in die komplizierte Welt der Wirtschaft, denn diese Themen dominieren die englischsprachige Presse Vietnams.
Die daenische Textilfirma CPI A/S (unter welcher Marke die Textilien in Deutschland bekannt sind, wird nicht genannt), laesst bereist in Vietnam herstellen. In Zukunft wird die ganze Produktion (95%) nach VN verlegt, als Joint Venture mit einem einheimischen Textilunternehmen. Saigon Times, 01.03.2006
Das waere nur eine Meldung, wie all die anderen, die taeglich ueber das ungebrochene Wachstum berichten. Bei genauer Lektuere ist diese Meldung typisch fuer den Trend in Europa.
Die Daenische Firma hatte bereits vor Jahren einen Teil der Produktion (T-shirts) nach Bangladesh ausgelagert. Spaeter wurde die technische Abteilung nach Litauen verlegt. Nun, im Mai 2006, wird der Vetrag unterschieben, dass Produktion und Verwaltung nach Vietnam gehen soll.
Das Vetrauen in Vietnam ist gross, lese ich aus der Meldung heraus. Ich sehe aber auch, wie das outsourcing in Europa funktioniert. Es gibt immer noch billigere Produktionsstaetten auf dieser Erde. Andererseits muss Vertrauen in die politische Stabilitaet und in einen zuverlaessigen wie klugen Mitarbeiterpool bestehen.
Langsam begreife ich. Ich sitze ausserhalb des Tellerrands.
Das Bild suggeriert: Aufbau OstINTEL Corp.hat gestern die Genehmigung erhalten, 600 Mio US$ in HCMC zu investieren. Die erste Phase der Produktion soll Mitte 2007 abgeschlossen sein. Dann werden vor allem asiatische Computerhersteller von hier aus mit den notwendigen Chips versorgt. Saigon Times, 01.03.2006
Das ist kein Strohfeuer. Vietnam ist kein Fressplatz fuer Heuschrecken. Hier wird richtig produziert: Wertschoepfung durch Veredelung. Ich erinnere mich an meine ersten Semester an der WiSoFak der FU.
Hier in Vietnam werden immer noch Fuenf-Jahresplaene aufgestellt. Fuer 2006-2010 steht die Entwicklung der Produktionstaetten im Vordergrund. Von 2010-2015 steht dann der Handel und qualitatives Wachstum im Mittelpunkt.
Vietnam hat gegenwaertig 83 Mio. Einwohner. Viet Nam News, 01.03.2006
Es werden mehr, anders als in Deutschland. Das bedeutet auch, dass hier ein Absatzmarkt im eigenen Lande darauf wartet, versorgt zu werden.
All die grossen Handelsketten der Industrienationen haben bereits einen Fuss in der Tuer: Wal/Mart (USA), Carrefour (Frankreich), Testko (UK).
Der Firma METRO Cash&Carry aus Deutschland gehoert bereits die Tuer und das erste Haus am Platz.



Der Autor mit junger Kollegin.










